Finishing 6 – DEL-Spieltage 1 & 2

Ein Eishockeyspiel beginnt mit den Starting 6, den Rückblick auf das DEL-Wochenende gibt es hier in den Finishing 6.

#1 SO LÄUFT DAS HIER

Ich habe in der Endphase der Vorsaison mit dieser Kolumne angefangen, ich führe sie in dieser Saison fort. Nach jedem DEL-Wochenende gibt es meine Gedanken zu den Spielen. Natürlich kann ich über die Partien, die ich im Stadion gesehen habe, mehr berichten. Wer Input hat: immer her damit. Gerne auch auf Twitter. Dort habe ich in einem kleinen Thread auch schon ein paar Gedanken zur neuen Saison geäußert.

#2 JUNGE SPIELER HAT DAS LAND

Was Moritz Seider in der Vorsaison war, das sind in dieser Saison Tim Stützle, Justin Schütz und John-Jason Peterka. Zumindest lässt das erste DEL-Wochenende darauf hoffen. Stützle hat schon in der Champions Hockey League für weit offenstehende Münder gesorgt, das ist ihm jetzt auch in der DEL gelungen. Erstes Spiel, erster Schuss, erstes Tor. Der Kollege Sebastian Böhm hat Stützle im Spiel der Adler Mannheim bei den Thomas Sabo Ice Tigers ganz genau beobachtet, hier sein Eindruck:

Es ist die Fähigkeit, den Puck anzunehmen und instinktiv das Richtige zu machen, nicht erst eine Aufgabe (annehmen, kontrollieren, Kopf hochnehmen, passen oder laufen), was ihn von anderen 17-Jährigen und vielen erfahrenen DEL-Profis unterscheidet. Stützle spielte Flip-Pässe über 25 Meter auf das Tape seines Mitspielers, Stützle löste sich mit einer Bewegung aus der Bedrängnis, um die Scheibe mit der Rückhand in den Lauf seines Mittelstürmers zu chippen. Ist der Hype übertrieben? Kommt er zu früh? Nein, selbst Pavel Gross erzählte danach, dass Stützle “Sachen macht, für die seine Mitspieler noch nicht bereit sind”.

Sebastian Böhm nach dem Spiel der Adler Mannheim bei den Thomas Sabo Ice Tigers

Auch Justin Schütz (zwei Tore und eine Vorlage) und „JJ“ Peterka (zwei Tore) machten gleich einmal auf sich aufmerksam. Alle drei Youngsters spielen an der Seite von erfahrenen Stürmern (Stützle mit Ben Smith und Tommi Huhtala, Schütz mit Mark Voakes und Maximilian Kastner, Peterka mit Mads Christensen, dazu ist Max Daubner in der Reihe). Pavel Gross und Don Jackson verstecken sie nicht im Line-up. Stützle und Peterka bekommen auch Eiszeit im Powerplay.

Ein kleiner Haken an der Sache: Für die Ausgeglichenheit der Liga sind die drei Youngster nicht förderlich. Wer hat außer Mannheim und München schon U23-Spieler in seinen Reihen, die nicht (halb-)gezwungenermaßen das Line-up auffüllen, sondern zu Leistungsträgern werden können oder es schon sind? Mannheim und München dominieren nicht nur die Liga, sie angeln sich auch die größten Talente schon im Teenager-Alter.  

#3 FISCHTOWN MACHT ES SCHON WIEDER

1:0 gegen die Düsseldorfer EG, 5:0 gegen die Eisbären Berlin – zwei Siege, sechs Punkte, zwei Shutouts für Thomas Pöpperle. Perfekter Start für die Fischtown Pinguins aus Bremerhaven. Sie stehen zum ersten Mal in ihrer kurzen DEL-Geschichte an der Tabellenspitze. Die Frage „Wie machen die das?“ haben wir uns mittlerweile oft genug gestellt. Sie machen es einfach. Schon wieder. Erneut haben einige wichtige Spieler im Sommer das Team verlassen, wieder wird das Kollektiv mit neuen Spielern ergänzt, die sich beweisen wollen. Thomas Popiesch macht das schon. Dazu ist Ross Mauermann als Quasi-Zugang zurück. In der Vorsaison bestritt er verletzungsbedingt nur drei Spiele, jetzt ist er wieder da und erzielte in den ersten beiden Spielen drei Treffer.

#4 MEIN GEHEIMFAVORIT AUF PLATZ 6: STRAUBING

In der Vorsaison hatten die Straubing Tigers bis zum letzten Spieltag die Chance auf den sechsten Platz. Es reichte nicht ganz. Der Kader ist in dieser Saison noch einmal besser geworden. Die Leistungsträger sind geblieben, Chase Balisy gibt dem Sturm in allen Spielsituationen mehr Tiefe und Travis Turnbull hat sich nach einer unglücklichen Zeit in Iserlohn ganz offensichtlich viel vorgenommen. Wie Balisy ist er eine zusätzliche Option im eh schon guten Powerplay. Das Duo Mike Connolly und Jeremy Williams ist immer noch da, gleiches gilt für Stefan Loibl und Antoine Laganière. Mit den deutschen, bayerischen, oft sogar niederbayerischen Spielern können sich die Fans identifizieren und auch die Loibls, Zieglers, Brandts oder Daschners bringen ihre Leistung. Trainer Tom Pokel hat in Straubing in relativ kurzer Zeit ein spielerisch starkes Team geformt. Platz 7 bis 10 sollte möglich sein, ich traue den Tigers sogar mehr zu.

#5 UNTER WERT GESCHLAGEN: DIE KREFELD PINGUINE

Fehlende Tiefe im Sturm, zu wenig Qualität in der Abwehr, kein überdurchschnittlicher Starting Goalie – das waren drei Gründe, warum die Krefeld Pinguine in der Vorsaison die Playoffs verpassten, zum vierten Mal in Folge. Diese Probleme wurden erkannt und – so ist mein erster Eindruck – gut gelöst. Spieler wie Grant Besse, Justin Hodgman oder Jeremy Welsh können Daniel Pietta und Chad Costello beim Scoring entlasten.

Besse, der in den vergangenen beiden Jahren 62 Tore in der ECHL schoss, hat erst einmal den Platz in der Pietta-Reihe gewonnen, Jackpot geknackt. Kai Hospelt und Laurin Braun verstehen sich gut, arbeiten im Fünf-gegen-fünf und in Unterzahl, Braun bekommt sogar Eiszeit in Überzahl. Verteidiger Mark Cundari zeigte in Ansätzen, dass er wieder zu der Form aus seiner ersten Saison in Augsburg finden kann. Und Torwart Jussi Rynnäs, der sich laut Trainer Brandon Reid blitzschnell in die Mannschaft integriert hat, dürfte ein sicherer Rückhalt werden. Die Pinguine führten am Wochenende in Straubing und zu Hause gegen Augsburg zweimal mit 3:1 und verloren jeweils nach Verlängerung. Da war mehr drin. Da ist in dieser Saison mehr drin als in den vergangenen Jahren.

#6 WAS NOCH ÜBRIG BLEIBT

  • Es ist früh in der Saison. In naher Zukunft werden die Teams anfangen müssen, ihren Slot besser zu verteidigen.
  • Powerplay Köln, Pass Gagné, Schuss Akeson – diese Kombination erinnert an die Duos Katic/Eisenschmid (aktuell Rendulic), Zengerle/Urbas und Connolly/Williams.
  • Brent Aubin gehört eigentlich auch in die Riege der Powerplay-Sniper vom linken Bullykreis. Nach einer schwächeren Saison scheint er diese Qualität neu entdeckt zu haben: zwei Powerplay-Tore in den ersten beiden Spielen.
  • Für Daniel Fischbuch von den Thomas Sabo Ice Tigers gilt das Gleiche wie für Travis Turnbull, Kai Hospelt und Laurin Braun (siehe oben). Tapetenwechsel und so.
  • Die Iserlohn Roosters waren für mich vor der Saison auch deswegen so schwer greifbar, weil so viele Zugänge komplett neu in der DEL sind. Das erste Wochenende hat gezeigt: Brett Findlay, Michael Halmo, Alexander Petan und Brody Sutter können in dieser Liga scoren.
  • Die Frage „Wer ersetzt in Düsseldorf die Top-Reihe Gogulla/Barta/Descheneau?“ bleibt erst einmal unbeanwortet. Die DEG schießt in den ersten beiden Spielen nur zwei Tore und bleibt ohne Punkt.
  • Jamie MacQueen ist on pace for 104 Tore in dieser Saison. Die Schwenninger Wild Wings sind on pace for 390 Gegentore in dieser Saison.

Das war’s mit den ersten Finishing 6 zur neuen DEL-Saison. Bis nächste Woche. Habe die Ehre.