Finishing 6 – DEL-Spieltage 18 & 19

Ein Eishockeyspiel beginnt mit den Starting 6, den Rückblick von Christoph Fetzer auf das DEL-Wochenende gibt es hier in den Finishing 6. Der Autor ist auch auf Twitter, Instagram und Facebook zu finden.

#1 KURZER RÜCKBLICK AUF DEN DEUTSCHLAND CUP

Der Deutschland Cup hat gezeigt, dass der Kreis der Kandidaten für die Nationalmannschaft in den vergangenen Jahren gewachsen ist. Das Turnier in Krefeld mit vielen Spielern, die zum ersten Mal für Deutschland spielten oder zuletzt nicht berücksichtigt wurden, war gelungen. Es war auch richtig von Bundestrainer Toni Söderholm, den Deutschland Cup als reinen Test zu verstehen. Einspielen kann sich die Nationalmannschaft eh nicht so richtig – und wenn, dann muss das vor der Weltmeisterschaft 2020 geschehen.

Bemerkenswert war das Turnier vor allem wegen der Forderung von DEB-Sportdirektor Stefan Schaidnagel, die Zahl der Kontingentstellen zu reduzieren. Guter Vorstoß. Die Gegenargumente („Zu wenig gute, junge, deutsche Spieler“, „Deutsche Spieler sind zu teuer“, „Arbeitsrecht!“) sind vorgeschoben, können umschifft werden oder werden sich in den nächsten Jahren von selbst entkräften. Für Letzteres sorgt die U23-Regel, es wird mehr junge, deutsche Spieler mit DEL-Erfahrung geben. Der nächste Schritt muss sein, Ü23-Spieler in Positionen und Rollen mit Verantwortung zu bringen.  

#2 ADJUSTMENTS IN DER DEUTSCHLAND-CUP-PAUSE

Der Deutschland Cup ist der erste große Cut in einer DEL-Saison. Es ist noch lange nichts gewonnen oder verloren, aber gewisse Tendenzen lassen sich ableiten. Die Pause gibt den Trainern die Möglichkeit, erst gedanklich und dann auch auf dem Eis an Spielweise, Special Teams und Reihenzusammenstellung zu arbeiten. Für die Teams, für die es bis zur Pause noch nicht nach Wunsch gelaufen ist, gilt: Anpassungen sind dringend nötig. Und selbst bei Mannschaften mit guter Form schaden diese Adjustments nicht. Bestes Beispiel dafür, was das bringen kann, sind die Straubing Tigers, die in der Vorsaison in der Deutschland-Cup-Pause einige Dinge änderten und anschließend durchstarteten.

#3 ACOLATSES ANGESTAUTE AGGRESSIONEN

Die Pause hat anscheinend dafür gesorgt, dass sich bei manchen Spielern zu viele Aggressionen angestaut haben. Die Spiele am Wochenende waren teilweise überhart. Bestes Beispiel war die Partie Iserlohn Roosters – ERC Ingolstadt, in der die Zuschauer nicht nur Raufereien zu sehen bekamen, sondern in den letzten Sekunden auch zwei dreckige Aktionen. Brett Findlay, der kurze Zeit vorher noch die Riesenchance aufs 3:3 vergeben hatte, checkte Fabio Wagner wohl aus Frust mit dem Kopf voraus in die Bande. Jerry d’Amigo antwortete mit einigen Cheap Shots. Für dieses „Einfach mal Dampf ablassen“ sollte im Eishockey kein Platz sein. Bei Straubings Sena Acolatse, der sich den Krefelder Laurin Braun schnappte, auf ihn einprügelte und damit wieder sein Rüpel-Image aus der Vorsaison bediente, reagierte die DEL mit einer Zwei-Spiele-Sperre.

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#4 GELUNGENE UND VERPATZTE STARTS NACH DER PAUSE

Die Eisbären Berlin, der ERC Ingolstadt, die Thomas Sabo Ice Tigers und die Straubing Tigers holten am Wochenende zwei Siege. Für Berlin und Ingolstadt gab es sogar die volle Ausbeute von sechs Punkten. Bei den Eisbären sticht Leo Pföderl heraus, er hat in fünf Spielen in Folge getroffen, sechs seiner sieben Saisontore gelangen ihm in dieser Phase, ein „klassischer Pföderl“. Auch Landon Ferraro hat die Mannschaft stärker gemacht.

Beim ERC Ingolstadt traf Tim Wohlgemuth in beiden Partien, der 20-Jährige ist mit sieben Toren bester Torschütze der deutschen U23-Spieler. In Nürnberg kommen die Verletzten langsam aber sicher zurück und es darf die Frage erlaubt sein, ob die Ice Tigers mit vollem Line-up gar ein Top4-Kandidat sind. Und Straubing? Zeigt auch nach der Deutschland-Cup-Pause, dass die Mannschaft zu Recht da steht, wo sie steht.

Misslungen war das Wochenende dagegen aus Sicht der Düsseldorfer EG, der Schwenninger Wild Wings, der Fischtown Pinguins und der Iserlohn Roosters. Bei der DEG waren die beiden Niederlagen wohl eher Ausrutscher, sowohl gegen Wolfsburg als auch gegen München gab man über 30 Schüsse ab. Schon bei einer etwas besseren Powerplay-Bilanz als 0/9 wäre wohl mehr drin gewesen. Für Schwenningen und Iserlohn gilt nach der Deutschland-Cup-Pause das Gleiche wie davor: Beide Mannschaften werden es schwer haben, die Playoffs zu erreichen. Bremerhaven ging trotz der Rückkehr von Spielmacher Mark Zengerle leer aus. Nach vier Niederlagen in Folge, in denen die Pinguins zweimal ohne eigenes Tor blieben, ist man auf den achten Tabellenplatz abgerutscht. Bremerhaven nutzte bei diesen vier Niederlagen im November nur eine von 17 Powerplay-Situationen und hat während der Negativserie die schlechtesten Schussanteile. Mal schauen, ob Zengerle helfen kann, die Pinguins wieder in die Spur zu bringen.     

#5 SCHLUSS MIT DEN EIGENTOREN BEI ANEZEIGTER STRAFE

Bei der 1:4-Niederlage der Adler Mannheim in Augsburg gab es das in dieser Saison schon zweite Eigentor bei angezeigter Strafe. Mixa Järvinen spielte die Scheibe zurück in Richtung Blaue Linie, sie wurde abgefälscht und rutschte über das komplette Eis zurück ins leere Tor. So kurios wie das Eigentor von Straubings Travis Turnbull, der im Spiel gegen die Thomas Sabo Ice Tigers den Puck sogar im eigenen Drittel ins leere Tor schob, war diese Situation nicht. Aber solche Eigentore braucht kein Mensch. Ich denke, dass man hier über eine Regeländerung nachdenken sollte. Der sechste Feldspieler bei angezeigter Strafe sollte eigentlich ein Vorteil sein und wird durch die Eigentore zum klaren Nachteil. Das kann nicht sein.

#6 FINISHING UP

  • Daniel Pietta hat als sechster Spieler in der DEL-Geschichte die 600-Punkte-Marke geknackt. Seine Konstanz im Scoring ist beeindruckend. Seit Beginn der Saison 2011/12 hat Pietta in 401 Partie in 399 Scorerpunkte gesammelt. Wer an seiner Seite spielt, hat gute Chancen auf 20 bis 30 Saisontore – fragt nach bei Chad Costello, Jacob Berglund, Marcel Müller oder Martin Schymainski. (Und schreibt in die Kommentare oder direkt bei Twitter, ob Kevin Clark und Adam Courchaine damals auch in einer Reihe mit Pietta gespielt haben.)
  • Lucas Lessio erzielte in seinem ersten DEL-Spiel beim 4:1-Sieg der Grizzlys Wolfsburg gegen die Düsseldorfer EG gleich einen Hattrick. Das schafften vor ihm nur vier Spieler, unter ihnen Pavel Bure 1994 für den EV Landshut. Den Punkterekord im DEL-Debüt hält Will Acton mit zwei Toren und drei Assists (via DEL auf Twitter).
  • Mit Jeff Zatkoff (zehn Siege bei zehn Starts) und Kevin Reich (sieben Siege bei sieben Starts) gibt es noch zwei Goalies, die jedes Spiel gewonnen haben (via Eishockey News).
  • „Posterized“ heißt es im Basketball, wenn spektakulär über einen verteidigenden Spieler gedunkt wird. Ben Smith hat es in dieser Saison auch schon auf zwei Poster geschafft. Beim spektakulären Skorpion-Save von Hannibal Weitzmann kam der Schuss von Smith, am Wochenende machte ihm Olivier Roy mit seiner Kelle einen Strich durch die Rechnung.   
  • Shoutout an die Reihe Neal Samanski/Julian Lautenschlager/Tim Fleischer für ein schön herausgespieltes Tor und insgesamt auffälligen Offensivaktionen im Spiel gegen den ERC Ingolstadt. Das alles bei einer Eiszeit von gut sechs (Fleischer) sowie vier Minuten (Samanski, Lautenschlager).

Das war’s mit den Finishing 6. Bis nächste Woche. Habe die Ehre.