Finishing 6 – DEL-Spieltage 20 & 21

Ein Eishockeyspiel beginnt mit den Starting 6, den Rückblick von Christoph Fetzer auf das DEL-Wochenende gibt es hier in den Finishing 6. Der Autor ist auch auf Twitter, Instagram und Facebook zu finden.

#1 HEIß SEIT DEM DEUTSCHLAND CUP: DIE THOMAS SABO ICE TIGERS

Am kommenden Freitag bin ich zum ersten Mal in dieser Saison in Nürnberg. Zeit wird’s. Zu sehen gibt es dann das aktuell heißeste Team der DEL. Seit dem Deutschland Cup haben die Thomas Sabo Ice Tigers alle vier Spiele gewonnen, dabei dem EHC Red Bull München die erste Heimniederlage zugefügt und sich mit dieser Serie auf den vierten Platz geschoben. Dass die Nürnberger im ersten Viertel der Hauptrunde enorme Verletzungssorgen hatten, mit Jim O’Brien ein Kontingentspieler noch keine einzige Partie bestritten hat und Phil Dupuis am Wochenende zum ersten Mal in dieser Saison spielte, macht den Tabellenstand noch einmal bemerkenswerter.

Das gute Penaltykilling ist ein Anzeichen dafür, dass die Spieler mehr für den Erfolg arbeiten als in der Vorsaison. Nach zwischenzeitlich sieben Spielen ohne Powerplay-Tor trafen die Ice Tigers am Wochenende auch mal wieder in Überzahl. Im Fünf-gegen-fünf kommt der Mannschaft entgegen, dass sie wieder zum schnellen Transition Game zurückgefunden hat, das sie unter Rob Wilson so stark gemacht hat. Mir gefallen auch die Rollen von Daniel Fischbuch, Eugen Alanov und Andreas Eder – drei deutsche Spieler, die entsprechend ihren Stärken eingesetzt werden und Verantwortung bekommen. Man könnte sie auch zusammen für fünf bis zehn Minuten aufs Eis schicken und das dann „4. Reihe“ nennen. Dann wären sie aber verschenkt und das Line-up der Ice Tigers hätte weniger Tiefe.

Bei alledem darf man nicht vergessen, dass auch Niklas Treutle mit seinen starken Leistungen einen großen Anteil am Nürnberger Erfolg hat. Rettet er den Ice Tigers momentan auch einfach oft den A… und der Tabellenstand täuscht über das Leistungsvermögen hinweg? Wer könnte das besser beantworten als Sebastian Böhm?

Vier Siege in Folge, Platz vier – sind die Ice Tigers auch mittel- und langfristig ein Top-Vier-Team? Dafür spricht, dass sie noch immer nicht annähernd gesund sind, dass sich deshalb kaum eine Reihe aneinander gewöhnen kann und das System, das einzelne Schwächen immer wieder überdeckt. Dagegen aber spricht die Abhängigkeit von Niklas Treutle und die Anfälligkeit, wenn nicht alle dem Plan voll konzentriert folgen. Letztlich ist das aber auch egal. Nach der dunklen Vorsaison kann man mit den Ice Tigers in Nürnberg wieder Spaß am Eishockey haben. Das ist in einer wirtschaftlich so bedeutenden Saison viel wichtiger als der Tabellenplatz nach 21 Spieltagen.

Sebastian Böhm zur Situation bei den Thomas Sabo Ice Tigers

#2 KALT SEIT DEM DEUTSCHLAND CUP: DIE ISERLOHN ROOSTERS

Das Gegenteil der Thomas Sabo Ice Tigers ist den Iserlohn Roosters passiert. Sie sind zwar p die Mannschaft, die zuletzt gegen Nürnberg gewinnen konnte. Seit der Deutschland-Cup-Pause gab es aber vier Niederlagen in Folge für die Roosters. In den vergangenen drei Spielen erzielten sie kein einziges Tor, 0:14 ist die Tordifferenz aus den Partien gegen Berlin, Straubing und Mannheim. Seit 211:21 Minuten gab es keinen Treffer mehr.

0/16 lautet die verheerende Bilanz in Überzahl in den vergangenen vier Spielen, nur zwei der 82 Torschüsse gingen rein (2,44 %). Die Roosters sind während der Niederlagenserie wie schon über die ganze Saison hinweg auch abgeschlagen in den Schussstatistiken.

Dazu kommen leichtfertige Scheibenverluste im Spielaufbau oder selbst in eigener Überzahl und so spricht aktuell nicht viel dafür, dass sich die Roosters hinten rausarbeiten. Hätte Anthony Peters nicht so gute Statistiken, würde Iserlohn noch schlechter dastehen. Der Goalie wirkte am Wochenende gefrustet, bei einem Gegentor gegen die Straubing Tigers gab er Kael Mouillierat eine mit.

#3 LANGSAM AUF DEM WEG NACH OBEN: DIE KÖLNER HAIE

Die vergangenen sechs Spiele der Kölner Haie wurden mit einem Tor Unterschied entschieden. Fünf davon gewann die Mannschaft von Trainer Mike Stewart, bei der Overtime-Niederlage gegen die Straubing Tigers gab es immerhin einen Punkt. Die Offensive ist zwar immer noch ausbaufähig, aber die Stürmer kommen langsam in Form. In den sechs Spielen, in denen die Haie zuletzt gepunktet haben, gingen 16 der 17 Tore auf das Konto von Stürmern. Auch wenn kein Spieler mehr als fünf Tore geschossen hat – das gibt es bei keinem anderen DEL-Team – zeigen Rückkehrer Marcel Müller, Jon Matsumoto oder Ben Hanowski ihre Torjägerqualitäten zuletzt wieder regelmäßiger. Auch Lucas Dumont kommt in Fahrt. In den ersten 16 Saisonspielen traf er überhaupt nicht, in den vergangenen fünf Partien dafür dreimal.

Interessant bleibt die Torwartposition. Gustaf Wesslau ist nach seiner Verletzungspause zurück. Am Wochenende war der Schwede aber zweimal Back-up. Mike Stewart sieht erst einmal keinen Grund, Hannibal Weitzmann wieder auf die Bank zu setzen. Sieben seiner elf Starts hat Weitzmann gewonnen, bei den beiden 2:1-Siegen gegen Wolfsburg und Krefeld hielt er am Wochenenden 42 von 44 Schüssen (95,5 %).

#4 PERSONALKARUSSEL

Es hat sich in den vergangenen Tagen ein bisschen was getan, ein paar Gedanken dazu.

Jamie MacQueen: Den Topscorer zu suspendieren, der einen Vertrag bis 2021 hat, ist ein bemerkenswerter Schritt der Schwenninger Wild Wings. Ich weiß nicht, ob ein anderes DEL-Team über MacQueen nachdenkt. Nur so viel: Wenn dem EHC Red Bull München derzeit etwas fehlt, dann ist das ein Onetimer-Schütze fürs Powerplay. Aber wirklich Bedarf, den funktionierenden Kader zu verändern, haben die Münchner natürlich nicht.

Jordan Caron: Statt MacQueen nun also Caron im Sturm der Wild Wings. In seinen nur 20 Spielen für die Krefeld Pinguine sammelte Caron 21 Scorerpunkte (elf Tore), er hat viel Qualität. Zuletzt spielte der Kanadier bei Sibir Novosibirsk in der KHL (33/5/7/12).

Colby Robak: Auch einen neuen Verteidiger holten die Wild Wings. Robak spielt wie Caron Überzahl, beim 2:0-Sieg gegen die Straubing Tigers gelang ihm schon in seinem zweiten Spiel das erste Tor.

Fabio Pfohl: In der Vorsaison war Fabio Pfohl noch einer der besten Powerplay-Spielmacher der Liga, bis spät in die Saison hinein hatte er die meisten Assists in Überzahl. In dieser Saison rutschte Pfohl nach dem neunten Spieltag aus dem Kölner Powerplay. Insgesamt stehen in 17 Spielen nur 2 Tore und 2 Assists zu Buche. Pfohl wechselte zurück nach Wolfsburg. Nicht auszuschließen, dass er dort wieder aufblüht. Ganz allgemein ist es schade zu sehen, dass ehemalige „Rookies des Jahres“ momentan etwas stagnieren. Für Phil Hungerecker von den Adlern Mannheim gilt das auch.

Colin Smith: Im Sonderheft der Eishockey News hieß es vor der Saison, dass Ingolstadt vielleicht mehr an Smiths Heimat Kamloops erinnert als Berlin. Aber auch bei den Panthern kam er wie schon zuvor bei den Eisbären nicht richtig zurecht, soll mit seiner Rolle unzufrieden gewesen sein und versucht es jetzt bei den Kölner Haien.

Scott Kosmachuk: Die Augsburger Panther haben mit Mitch Callahan im Sommer nicht den erhofften Ersatz für Matt White bekommen. Callahan steht nach 20 Spielen bei mageren drei Assists. Scott Kosmachuk hat in seinem ersten Spiel zumindest angedeutet, dass er den Panthern helfen kann.  

Dass auch im November noch Glücksgriffe bei Zugängen möglich sind, zeigt Lucas Lessio bei den Grizzlys Wolfsburg. Sein Offensivspiel ist eine Augenweide, in den ersten vier Spielen gelangen ihm vier Tore (darunter ein Hattrick) und zwei Assists.

#5 GEBT DEN SCHIRIS MIKROS

Ich weiß, dass nicht jeder Mensch dafür gemacht ist, vor einer großen Menge und/oder in ein Mikrofon zu sprechen. Aber am Wochenende gab es wieder eine Situation, die zeigt, dass Mikros für Schiris sinnvoll wären. In der Verlängerung der Partie Augsburger Panther gegen Pinguins Bremerhaven brachte Brock Hooton Matt Fraser bei einem Alleingang zu Fall, die Augsburger Spieler und Fans waren aber der Meinung, dass die Scheibe im Anschluss über die Linie gerutscht war. Die Schiedsrichter gaben den Treffer nach Videobeweis nicht, die Stimmung in Augsburg kochte hoch. In solchen Situationen würde ich mir wünschen, dass die Schiedsrichter kurz erläutern, wie sie zu ihrer Entscheidung gekommen sind. Wie zum Beispiel mit dem Satz: „Im Video ist nicht klar zu erkennen, dass die Scheibe über der Linie war“ (- wenn das der Grund für das nicht gegebene Tor war, man weiß es ja nicht).

Was bei der Diskussion um Tor oder nicht Tor unterging: Zumindest das Foul von Hooton an Fraser hätte bestraft werden müssen, aber dazu darf der Videobeweis ja nicht zu Rate gezogen werden.

#6 FINISHING UP

  • Trivia: Welche Rookies des Jahres in der DEL wurden in der NHL gedraftet? Die Antwort am besten ohne Google, entweder in die Kommentare oder bei Twitter (@fetzi6).
  • Das 900. DEL-Spiel von Kai Hospelt habe ich vor einer Woche übersehen, keine böse Absicht. Hospelt wurde 2015 mit Mannheim Deutscher Meister, 2011/12 war er mit 25 Treffern Torschützenkönig und Spieler des Jahres. Aktuell gibt er dem Sturm der Krefeld Pinguine mehr Tiefe.  
  • Patrick Hager bestritt am Wochenende sein 700. DEL-Spiel, Jerome Flaake Nummer 600. Die Bedeutung von Hagers Rolle als Kapitän sollte man nicht unterschätzen, ich hatte erwartet, dass das Karriereende von Michael Wolf ein größeres Vakuum hinterlässt. Flaake hat in Düsseldorf endgültig zu alter (Offensiv)stärke zurückgefunden.
  • Nico Krämmer erzielte am Wochenenden in beiden Spielen je ein Tor – nach 64 Partien ohne Treffer. Ihm kommt entgegen, dass er zuletzt in einer Reihe mit Markus Eisenschmid und Borna Rendulic spielte.
  • Die Grizzlys Wolfsburg haben im November ein überragendes Penaltykilling von 95,65 %. In den 23 Unterzahlsituationen kassierten sie nur ein Gegentor. Da fällt auch nicht so ins Gewicht, dass es auch nur ein Tor in elf Powerplay-Situationen gab (9,09 %).
  • Arturs Krumisch, der die komplette Vorsaison wegen einer Krebserkrankung verpasst hatte, erzielte bei der 4:5-Heimniederlage der Krefeld Pinguine gegen Nürnberg sein erstes DEL-Tor.
  • Dustin Strahlmeier hat in dieser Saison schon viel Frust geschoben, ich erinnere mich an einen zertrümmerten Schläger im Spiel gegen die Thomas Sabo Ice Tigers. Ausgerechnet an dem Wochenende, an dem es gegen Spitzenreiter EHC Red Bull München und den Tabellenzweiten Straubing Tigers ging, kassierte Strahlmeier aber nur ein Gegentor aus dem Spiel heraus. Er hielt 81 von 82 Schüssen und holte beim 2:0-Sieg gegen Straubing den ersten Shutout in dieser Saison. Ganz nebenbei beendeten die Wild Wings damit die Straubinger Serie von sechs Siegen am Stück.

Das war’s mit den Finishing 6. Bis nächste Woche. Habe die Ehre.