Finishing 6 – DEL-Spieltage 22 & 23

Ein Eishockeyspiel beginnt mit den Starting 6, den Rückblick von Christoph Fetzer auf das DEL-Wochenende gibt es hier in den Finishing 6. Der Autor ist auch auf Twitter, Instagram und Facebook zu finden.

#1 HOCKEY CULTURE

Eishockey ist für alle da. Jeder*r darf selbst entscheiden, was dieser Sport für sie oder ihn bedeutet – ganz egal, ob Ex-Profi oder nicht. Für mich ist Eishockey die Erinnerung an schöne Nachmittage mit Freunden auf dem Eisplatz oben am Berg zwischen den schneebedeckten und flutlichtbeleuchteten Bäumen. Eishockey ist für mich, Abende in Oberliga- und Bayernliga-Stadien zu verbringen, aber auch die stetig gewachsene Faszination an der NHL, der besten Liga der Welt. Mittlerweile ist Eishockey für mich, Woche für Woche aus DEL-Stadien zu kommentieren, diese ganz besondere Atmosphäre aufzusaugen und andere daran teilhaben zu lassen. Und Eishockey ist für mich auch, Menschen gefunden zu haben, die zu mehr geworden sind als Kollegen. Eishockey verbindet.

In diesem Sport ist kein Platz für Rassismus, Frauenfeindlichkeit, Homophobie, Gewalt. Wir erleben gerade eine Zeitenwende im Eishockey, der Begriff ist nicht übertrieben. Don Cherry, Bill Peters, Mike Babcock – sie alle haben die Quittung dafür bekommen, dass sie zu lange an falschen und/oder veralteten Werten festgehalten haben. Die Welt ändert sich, Eishockey ändert sich mit. Die Kabine sollte ein geschützter Bereich sein. Aber wenn jemand diesen Bereich missbraucht, dann darf die Kabinentür aufgehen. Draußen warten Twitter, Facebook, Instagram – und Menschen, die dieses Getue satthaben.

#2 AUGSBURGER AUFWÄRTSTREND

Die Champions Hockey League war ganz sicher Fluch und Segen für die Augsburger Panther. Jetzt, da dieses Abenteuer vorbei ist, ist fast schon Erleichterung zu spüren. Die Doppelbelastung ist weg, die Mannschaft kann sich auf die DEL und die Aufholjagd in Richtung Playoff-Plätze konzentrieren. Am Freitag verloren die Panther noch mit 4:5 nach Penaltyschießen gegen die Thomas Sabo Ice Tigers. Es war die vierte Niederlage in Folge, auswärts sogar die sechste Pleite in Serie. Aber zumindest kassierten die Panther ausnahmsweise mal kein Gegentor in Unterzahl, sie zeigten Moral und kamen nach 1:2-, 2:3- und 3:4-Rückstand zurück. Am Sonntag folgte vor ausverkauftem Curt-Frenzel-Stadion ein 5:2 gegen Spitzenreiter EHC Red Bull München. Dieses Mal gab es kein Gegentor bei Fünf-gegen-fünf.

Das Augsburger Powerplay ist weiter richtig gefährlich, schon gegen Nürnberg führte es zu zwei Toren, vier der fünf Treffer gegen München fielen in Überzahl. Simon Sezemsky schoss seinen neunten Powerplay-Treffer, Adam Payerl seinen sechsten und siebten und auch Scott Kosmachuk zeigte mit einem schönen Assist auf Matt Fraser, dass er das Augsburger Überzahl noch einmal stärker macht. Mit dem nachverpflichteten Außenstürmer haben die Panther vielleicht auch den Ersatz für Matt White gefunden. Kosmachuk ist schnell und hat einen guten Schuss, am Wochenende war die Reihe mit ihm, Drew Leblanc und T.J. Trevelyan sehr auffällig.

#3 DIE ICE TIGERS MACHEN UND HABEN WIEDER SPAß

Die Serie von fünf Siegen in Folge nach der Deutschland-Cup-Pause endete für die Thomas Sabo Ice Tigers zwar mit der 2:4-Niederlage in Bremerhaven. Aber es ist offensichtlich, dass sich im Vergleich zur vergangenen Saison etwas geändert hat in Nürnberg. Das hat viel mit Trainer Kurt Kleinendorst zu tun, der seine Spieler entsprechend ihrer Stärken aufstellt, ihnen Selbstvertrauen gibt, sie aber auch immer wieder daran erinnert, welche Aufgaben sie in seinem System zu erfüllen haben. Manchen Spielern passiere das etwas zu häufig, meinte Chris Summers vor dem Spiel im Interview bei Magenta Sport. Aber so funktioniert halt Coaching.

Auf einmal ist ein Brandon Buck stolz, dass die Tigers andere Teams „outworken“ und nicht „outskillen“ und versucht mutig, in Unterzahl zwei Schüsse von Scharfschütze Simon Sezemsky zu blocken. Deutsche Spieler wie Daniel Fischbuch, Eugen Alanov und Andreas Eder blühen auf und schrubben nicht nur ihre Minuten runter, sondern kreieren auch Offensive.

Auffällig ist, dass die Tigers oft versuchen, sich länger im gegnerischen Drittel festzusetzen, sich zu bewegen, anzubieten, viel „Schlittschuh laufen“ und so den Gegner beschäftigen. Den Puck am Schläger zu haben, ihn zu halten, etwas auszuprobieren – das scheint vielen Spielern entgegenzukommen. Entsprechend gut ist auch die Stimmung bei den Ice Tigers. Sie haben und machen wieder Spaß.

#4 BEI LEO LÄUFT‘S

Wenn Pföderl nicht trifft, wirkt Leo lustlos. Wenn Pföderl trifft, wirkt Leo lässig. Es ist ein Gesetz des deutschen Eishockeys: Wenn’s bei Leo läuft, läuft’s richtig. Pföderls Torserie endete zwar bei der 5:6-Niederlage nach Penaltyschießen der Eisbären Berlin gegen die Grizzlys Wolfsburg. Aber davor traf er in sechs Spielen in Folge, insgesamt waren es sieben Tore. Vorher war Pföderl in neun Partien hintereinander leer ausgegangen und hatte überhaupt nur ein einziges Tor erzielt. Seit Mitte Oktober spielt Leo Pföderl in einer Reihe mit James Sheppard und Marcel Noebels. Diese Formation funktioniert, gegen Wolfsburg war es Noebels, der zwei Tore schoss. Aber es scheint gar nicht so wichtig zu sein, wer Leo Pföderl anspielt und wie, teilweise kamen die Assists während seines Streaks auch von Verteidigern. Marco Pfleger sagte mal sinngemäß, Pföderl mache aus einer Chance drei Tore. Aber halt nur, wenn’s bei Leo läuft.

#5 DUMP AND CHASE HEIßT JETZT PLACE AND CHASE

Ein Blick nach Nordamerika lohnt sich ja immer mal wieder. Ich bin vergangene Woche auf diesen Artikel von Mike Kelly gestoßen. Es geht um Dump and Chase. Oder Place and Chase wie er es nennt. Die Quintessenz: Auch in Zeiten, in denen controlled exits und controlled entries und viel Scheibenbesitz das große Erfolgsrezept sind, setzen Mannschaften darauf, die Scheibe in bestimmten Situationen tief zu spielen, nachzusetzen und so den Gegner unter Druck zu setzen. Schließlich sei es besser, den Puck hinter der gegnerischen Grundlinie wieder zu holen, als ihm beim Versuch eines kontrollierten Spielaufbaus zu verlieren und in einen Konter zu laufen. Die New York Islanders unter Barry Trotz sind das beste Beispiel dafür.

Auch wenn es mir auf Nachfrage nicht bestätigt wurde, dass sich der EHC Red Bull München daran orientiert („Puck control, that’s our game“), habe ich das Gefühl, dass selbst die Topteams der DEL sich etwas angepasst haben, einfacher spielen und die Scheibe öfter dumpen. In München hat das sicher auch mit den Einzelspielern zu tun, Chris Bourque zum Beispiel ist ein anderer Spielertyp als früher Dominik Kahun oder John Mitchell. Die setzten eher auf Puckkontrolle und zockten, Bourque kommt viel über sein Tempo und mag es lieber geradlinig. A propos Bourque:

Der Moment, in dem ich Ray Bourque frage, ob er am Freitag mit unserer Hobby-Truppe aufs Eis geht, er aber sagt, dass er andere Pläne hat. (Just kidding.)

#6 FINISHING UP

  • Antwort zur Trivia aus der Vorwoche: Timo Pielmeier und Moritz Seider sind die einzigen beiden Rookies des Jahres in der DEL, die in der NHL gedraftet wurden.
  • Neue Trivia: Wann und mit welchem Team gewann Ray Bourque seinen ersten Stanley Cup? Die Antwort am besten ohne Google, entweder in die Kommentare oder bei Twitter (@fetzi6).
  • Daniel Pietta gelang in Schwenningen das erste Vier-Tore-Spiel der Saison, Alexander Barta erzielte seinen 500. DEL-Scorerpunkt und Julian Lautenschlager traf zum allerersten Mal in der DEL.
  • Sein DEL-Debüt hatte sich Daniel Fießinger wahrscheinlich anders vorgestellt. Fünf Gegentore kassierte der Torwart des EHC Red Bull München, vier davon in Unterzahl. Im zweiten Drittel nahmen die Münchner sechs Strafzeiten, Mark Voakes entschuldigte sich im Interview nach dem Spiel dafür bei Fießinger.
  • Nach 215:02 Minuten beendete Tim Fleischer gegen Bremerhaven die torlose Zeit der Iserlohn Roosters.
  • Die Düsseldorfer EG ist in der Tabelle auf den achten Platz abgerutscht. In sechs West-Derbys gegen die Kölner Haie, die Krefeld Pinguine und die Iserlohn Roosters gab es bis jetzt nur einen Sieg mit voller Punktzahl, gegen die Haie ging die DEG zweimal komplett leer aus.
  • From struggle to streak (erst lahm, dann Lauf klingt nicht so geil): Wie Leo Pföderl hat auch Jon Matsumoto ein bisschen gebraucht, um in die Saison zu kommen. In den vergangenen sechs Spielen hat Matsumoto aber jeweils gescort (zwei Tore, fünf Assists) und ist mitverantwortlich für den guten Lauf der Kölner Haie.
  • Mitch Callahan erzielte im 21. Saisonspiel sein erstes DEL-Tor, die längste Durststrecke unter den Kontingentspielern im Sturm hat jetzt der Krefelder Jeremy Welsh (16 Spiele ohne Tor).
  • Ich halte Fabio Wagner für einen der besseren Defensiv-Verteidiger der Liga. „Mir ist wichtig, dass ich defensiv gut spiele, alles andere ist Bonus für mich“, sagt er bei Magenta Sport. Beim 6:3 gegen die Schwenninger Wild Wings erzielte er den ersten Doppelpack seiner Karriere. Bonus eingesackt.
  • Schwenningen hat acht Auswärtsspiele in Serie verloren, Augsburg sechs, Iserlohn hat auswärts mit neun Punkten die zweiwenigsten geholt. Die Auswärtsschwäche ist einer der Gründe, warum es momentan für alle drei Mannschaften nicht für die Top 10 reicht.
  • Zwei Fast-Mega-Saves an einem Tag: Markus Keller (gegen Joachim Ramoser) und Hannibal Weitzmann (gegen Alexander Barta) packten zwar spektakulär die Fanghand aus, der Puck war aber beide Male knapp über der Linie.

Das war’s mit den Finishing 6. Bis nächste Woche. Habe die Ehre.