Finishing 6 – DEL-Spieltage 24 & 25

Ein Eishockeyspiel beginnt mit den Starting 6, den Rückblick von Christoph Fetzer auf das DEL-Wochenende gibt es hier in den Finishing 6. Der Autor ist auch auf Twitter, Instagram und Facebook zu finden.

#1 KRÄFTEMESSEN AUF AUGENHÖHE

Der Sonntagnachmittag hat gezeigt: Der 7:2-Sieg des EHC Red Bull München gegen die Adler Mannheim im September war ein Streichergebnis. Das zweite Duell der beiden Schwergewichte war so eng wie die Spiele in der Vorsaison. Mannheim setzte sich knapp mit 3:2 nach Verlängerung durch, davor hatte München in den Schlussminuten einen 0:2-Rückstand durch zwei Tore von Trevor Parkes noch ausgeglichen.

Für die Adler war es der siebte Sieg in Folge, sie haben ihr Tief aus dem November überwunden. Die Zahlen während der Siegesserie: 20 von möglichen 21 Punkten, 30:10 Tore, 23,1 % Powerplayquote und (wichtig!) 88,9 % Penaltykilling, dazu das beste Torverhältnis in den Special Teams (+5). Auch in den Schussstatistiken sind die Adler vorne dabei.

Das verbesserte Penaltykilling hat wohl auch mit der Einstellung zu tun, bei der Aufstellung gab es zuletzt auch Anpassungen. Am auffälligsten: Markus Eisenschmid spielte zuletzt Center zwischen Nico Krämmer und Borna Rendulic. Krämmer blüht in dieser offensiveren Rolle richtig auf. Alle drei Saisontore schoss er seit der Reihenumstellung, das gegen München war besonders sehenswert.

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Die Leistung des EHC Red Bull München, gegen diese Adler Mannheim noch so zurückzukommen, ist auch hoch einzuschätzen. Bis zu acht Verletzte hatten die Münchner zuletzt, mit Daniel Fießinger steht der dritte Torwart zwischen den Pfosten. Klar ist es ein Vorteil, die Ausfälle mit den gut ausgebildeten Spielern aus der Akademie auffangen zu können. Aber dass die Leistung der Münchner kaum abfällt, ist trotzdem überraschend.

#2 WARUM NICHT STRAUBING?

Es hat sich eine klare Top3 herauskristallisiert, hinter München, Straubing und Mannheim gibt es die größte Lücke in der Tabelle von aktuell zehn Punkten. Die einzige Mannschaft dieses Trios, die am Wochenende die volle Ausbeute von sechs Zählern holte, sind die Straubing Tigers. Sie gewinnen momentan auch die knappen Spiele, am Freitag 3:2 in Nürnberg, am Sonntag 2:1 gegen Düsseldorf. Es war der zehnte Heimsieg in Folge, das ist neuer DEL-Rekord für die Tigers. Der stammte bis jetzt aus der Saison 2011/12, als Straubing ins Halbfinale kam. Und das bringt uns zu der Frage:

Warum nicht Straubing?

Es ist weiter vermessen, die Tigers als Meisterschaftskandidat zu sehen. Dazu sind München und Mannheim zu übermächtig und Köln oder Berlin deutlich playoff-erfahrener. Aber Halbfinale, vielleicht sogar mehr, kann schon drin sein. Die Tigers haben keine Schwäche, sie haben die beste Offensive und mit München die beste Defensive, dazu sehr starke Special Teams. Und: Sie sind sehr tief besetzt. Das ist zum Beispiel auch ein Unterschied zu dem „kleinen“ Halbfinalisten 2018/19, den Augsburger Panthern. Sollte Felix Schütz bis zum Saisonende bleiben – es gibt Anzeichen, dass das passieren wird – sind die Tigers noch besser aufgestellt und können sogar Verletzungen von Top-Spielern über einen gewissen Zeitraum kompensieren.

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#3 EISZEIT MACHT SELBSTBEWUSST

Einer, der den Straubing Tigers im Vergleich zur Vorsaison mehr Tiefe gibt, ist Tim Brunnhuber. Der 20-Jährige bekommt enorm viel Verantwortung, er ist der jüngste Center der Liga und wird regelmäßig in Unterzahl eingesetzt – aktuell sind es dort 1:51 Minuten Eiszeit pro Spiel. Aber auch spielerisch hat sich Brunnhuber im Laufe der Saison noch einmal weiterentwickelt, traut sich etwas zu, hält die Scheibe und scort.

Es ist schön zu sehen, dass die jungen deutschen Spieler auf dem Eis Selbstvertrauen zeigen und das auch neben dem Eis in den Interviews ausstrahlen. Diese Spieler sind nicht nur gut ausgebildet, sie wissen auch ziemlich genau, was sie können und was nicht.

Für die U20-Weltmeisterschaft (live bei Magenta Sport, wisst Ihr, ne?) ist Brunnhuber als Jahrgang 1999 zu alt. Aber einige andere deutsche Youngsters gehen diese Woche in die Vorbereitung auf das Turnier in Tschechien. Die Stützles, Reichels, Peterkas, Schützs werden ihren Clubs fehlen. Das ist ein gutes Zeichen für das deutsche Eishockey.

Tim Brunnhuber von den Straubing Tigers im Interview bei Magenta Sport vor dem Spiel Straubing Tigers – Düsseldorfer EG.

#4 DIE HEIßESTE REIHE DER LIGA

Ja, die Reihe Noebels/Sheppard/Pföderl funktioniert momentan wirklich gut. Erst lief Leo Pföderl heiß (sieben Tore in sechs Spielen), dann Noebels (fünf Tore in drei Spielen), aktuell hat Jimmy Sheppard in vier Spielen in Folge gepunktet (ein Tor, sechs Assists).

Aber die heißeste Reihe der Liga spielt in Köln. Jon Matsumoto, Freddy Tiffels und Marcel Müller haben sich gefunden und haben großen Anteil am Lauf der Haie, die sich mit acht Siegen aus neun Spielen und zuletzt fünf Siegen in Folge auf den fünften Platz geschoben haben. Spielmacher Matsumoto, der laufstarke Tiffels und Torjäger Müller – das passt. Seit Anfang November spielen die drei zusammen, seitdem haben die Kölner Haie nur einmal verloren. Matsumoto hat aktuell mit sieben Spielen den längsten Scoringstreak der DEL, Müller hat vier Tore in fünf Spielen geschossen. Ich habe mich gewundert, warum Tiffels, der in der Endphase der Saison 18/19 mit Jason Akeson und Colby Genoway eine der besten Sturmreihen bildete, in dieser Saison so große Anlaufschwierigkeiten hatte. Ich habe mich gewundert, warum Matsumoto, der in der DEL doch bisher überall gescort hat, so schleppend in die Saison gekommen ist. Ich habe mich gewundert, warum die Kölner Haie so schwach gestartet sind. Jetzt läuft’s – für Tiffels, Matsumoto, Müller und die Haie.

#5 WAS DIE DEL RICHTIG MACHT

Die Liga wird oft kritisiert, in dieser Saison gibt es viele Gründe, sie zu loben. Lenz Funk hat vor der Saison angekündigt, dass wohl mehr Sperren ausgesprochen werden, und hat das auch gefühlt in die Tat umgesetzt. In der kompletten Saison 2018/19 gab es 19 Sperren (36 Spiele), allerdings gab es bis November keine einzige und sieben in den Playoffs. In dieser Saison gab es ab Saisonbeginn Sperren, aktuell sind es acht (13 Spiele). Gefährliche Checks und übertrieben harte Faustkämpfe werden konsequent geahndet, auch wenn man über die Längen der Sperren immer diskutieren kann.

Beim Videobeweis gibt es mehr Transparenz, die Schiedsrichter kommunizieren über das Mikrofon an der Zeitnahme, was sie überprüfen und warum sie zu einer Entscheidung gekommen sind. Das ist ein richtiger Schritt. Vielleicht kommt irgendwann ja auch das Mikro für Schiedsrichter.

Wenn Regeln nicht dem Geist des Spiels entsprechen (Chet Pickards minimale Scheibenberührung bei Marcel Noebels Penalty), handelt die DEL auch schnell. Für manch lückenhafte oder nicht bis ins Detail ausformulierte Regel braucht es eben einen Präzedenzfall. Wenn der dazu führt, dass die Regel oder Regelauslegung im Sinne des Spiels angepasst wird: gut.

#6 FINISHING UP

  • Der Spielabbruch in Köln war die richtige Entscheidung. Es gibt Dinge, die viel wichtiger sind als Eishockey.
  • Antwort zur Trivia aus der Vorwoche: Ray Bourque gewann 2001 mit den Colorado Avalanche in seiner letzten Saison seinen einzigen Stanley Cup. Der Moment der Cup-Übergabe ist groß (1:30.)
  • Neue Trivia: Für welche DEL-Teams spielte Jon Matsumoto, bevor er nach Köln wechselte? Die Antwort am besten ohne Google, entweder in die Kommentare oder bei Twitter (@fetzi6).
  • Comebacks: Moritz Müller und Martin Schymainski spielten am Wochenende wieder Eishockey, Schymainski erzielte sogar sein erstes Tor nach langer Verletzungspause.
  • Hattrick Spencer Machacek, erstes Tor nach der Rückkehr für Fabio Pfohl, erstes DEL-Tor für Valentin Busch und ein Sechs-Punkte-Wochenende für die Grizzlys Wolfsburg.  
  • Auch Samuel Soramies (Adler Mannheim) und Julian Kornelli (Schwenninger Wild Wings) schossen am Wochenende ihr erstes DEL-Tor.  
  • Nach seiner Verletzungspause bis zum Deutschland Cup hat Philip Gogulla ein wenig gebraucht, um wieder in Schwung zu kommen. Beim 8:5 gegen die Krefeld Pinguine gelang ihm ein Fünf-Punkte-Spiel (zwei Tore, drei Assists).
  • Vier Tore in sechs Spielen, genau ein Punkt pro Partie: Mit Colby Robak scheint den Schwenninger Wild Wings ein guter Griff gelungen zu sein.
  • 800 Fans mit dem Sonderzug in Augsburg dabei, trotzdem kassierten die Iserlohn Roosters mit dem 0:1 die siebte Niederlage in den vergangenen acht Spielen. Viermal blieben sie dabei ohne eigenes Tor.

Das war’s mit den Finishing 6. Bis nächste Woche. Habe die Ehre.