Finishing 6 – DEL-Spieltage 26 & 27

Ein Eishockeyspiel beginnt mit den Starting 6, den Rückblick von Christoph Fetzer auf das DEL-Wochenende gibt es hier in den Finishing 6. Der Autor ist auch auf Twitter, Instagram und Facebook zu finden. Auf Instagram wird es am Dienstagabend um 18:45 ein “Ask me anything” zur DEL geben.

#1 HAUPTRUNDEN-HALBZEIT

Vergesst die Münchner Siegesserie zu Saisonbeginn und schaut Euch die Tabelle als Momentaufnahme an. Nach der Hälfte der Hauptrunde gibt es nicht sooo viel Unerwartetes. Klar, die Straubing Tigers sind weiter die positive Überraschung schlechthin. Die Kölner Haie stehen etwas schlechter da als erwartet, aber die haben auch einen neuen Trainer. Für die Augsburger Panther gilt das Gleiche, dazu hatten sie die Doppelbelastung mit der Champions Hockey League. Das kann sich alles in der zweiten Saisonhälfte noch etwas sortieren.

Auf jeden Fall ist die Liga interessant. Aus dem vermuteten Duo an der Tabellenspitze München/Mannheim ist ein Trio geworden. Die Straubing Tigers sind die konstanteste Mannschaft der Liga, noch nie gab es in dieser Saison mehr als zwei Niederlagen in Folge. München schwächelt momentan auch wegen der Verletzungsprobleme ein wenig, zehrt trotz drei Niederlagen in Serie aber noch vom herausragenden Start. Mannheim macht Druck, hat die zwei direkten Duelle innerhalb einer Woche gegen München gewonnen, insgesamt sind es jetzt neun Siege in Folge.

Mit Berlin, Nürnberg, Bremerhaven, Ingolstadt, Köln und Düsseldorf kämpfen sechs Mannschaften um die direkte Playoff-Qualifikation. Für Wolfsburg, Augsburg, Iserlohn, Krefeld und Schwenningen geht es um die 1. Playoff-Runde. Alles bis zu sechs Punkten Abstand lässt sich theoretisch an einem Wochenende aufholen und ist noch kein Beinbruch. Trotzdem müssen Roosters, Pinguine und Wild Wings aufpassen, dass sie nicht (noch mehr) abreißen lassen.

#2 TRAINERKARUSSELL

Fast hätten alle Trainer die erste Saisonhälfte überstanden. Brandon Reid schaffte es nicht ganz und Paul Thompson folgte nur kurz später. Die Krefeld Pinguine und Schwenninger Wild Wings hatten in den vergangenen Jahren nur ganz selten etwas mit der Vergabe der Playoff-Plätze zu tun. Nur an den Trainern kann das nicht liegen, die Kaderzusammenstellung spielt sicher auch eine Rolle. Anderswo klappt das Zusammenspiel Trainer/Manager deutlich besser, die Augsburger Panther 2018/19 und aktuell die Straubing Tigers zeigen, wie man die Etat-Tabelle auf den Kopf stellt.  

Gerade bei den Krefeld Pinguinen ist es wieder einmal faszinierend, dass sie zwar mit Chad Costello und Daniel Pietta die zwei besten Scorer der Liga haben, aber es trotzdem nicht schaffen, regelmäßig zu gewinnen. Es fehlt weiter die Tiefe im Sturm, Verletzungen wie die von Justin Hodgman, der zwischenzeitlich elf Spiele verpasste, können die Pinguine nicht auffangen. Ab und zu hat es Krefeld geschafft, bessere Gegner auszukontern, der 6:3-Sieg bei den Adlern Mannheim ist das beste Beispiel dafür. Aber gegen Gegner auf Augenhöhe fehlt den Pinguinen hinter der Pietta-Reihe die Fähigkeit, das Spiel zu machen. Gegen die direkten Konkurrenten im Kampf um den zehnten Platz hat Krefeld nur gegen die Iserlohn Roosters eine positive Bilanz. Dazu kommt die mangelnde Defensivarbeit: 96 Gegentore, zusammen mit Schwenningen mit Abstand die meisten, die Torhüter werden zu oft alleine gelassen. Qualität der Einzelspieler, System, Einstellung – wie immer spielen da mehrere Faktoren zusammen.

Bei den Krefeld Pinguinen hat Pierre Beaulieu übernommen, der aus seiner Zeit in Innsbruck ein wenig Erfahrung als Head Coach hat, sonst aber vor allem als Assistant Coach und Torwarttrainer gearbeitet hat.

Dazu ist Niklas Sundblad zurück in der Liga, der sich seit der Saison 2013/14 in Ingolstadt „Meistercoach“ nennen darf und anschließend etwas mehr als ein Jahr die Kölner Haie coachte. Zuletzt arbeitete er für Örebro HK in Schweden. Das Trainerkarussell dreht sich. Neue Gesichter gibt es wie gewohnt nur selten zu sehen.

#3 DAS SYSTEM STEWART

Am Freitag kam Mike Stewart zum ersten Mal mit den Kölner Haien zurück nach Augsburg. Eine gute Möglichkeit, zu überprüfen, wie viel Stewart schon in den Haien steckt und wie viel Stewart noch in den Panthern steckt. Das „System Stewart“ besteht aus schnellem Spiel aus dem eigenen Drittel, flinkem Überbrücken der Neutralen Zone, geradlinigem Spiel in Richtung Tor mit schnellen Abschlüssen und einem harten Forecheck. Wichtig ist Stewart, dass seine Spieler im eigenen Drittel den Scheibenführenden unterstützt, durch diesen Support gelingt es seiner Mannschaft, den gegnerischen Forecheck zu umspielen und selbst Tempo aufzunehmen.  

Tray Tuomie hat dieses System in weiten Teilen übernommen. Die Augsburger Panther setzten es im direkten Duell mit den Kölner Haien eindeutig besser um. Immer wieder spielten sie schnelle Konter, die Chancenverwertung war sehr effizient, auch deswegen kam ein 5:1-Sieg heraus. Augsburg hat sich vor allem über die Heimstärke an Platz zehn herangearbeitet, der Kosmachuk-Transfer macht die Mannschaft stärker, dazu ist jetzt auch Olivier Roy nach Verletzung zurück.  

Die Kölner Haie dagegen kassierten nach acht Siegen aus neun Spielen am Wochenende zwei Niederlagen. Ein Rätsel ist für mich weiter, warum das Kölner Powerplay (12,1 %) nicht besser funktioniert. Mit Kevin Gagné oder Taylor Aronson sind bewegliche Verteidiger für die Blaue Linie im Kader, Jason Akeson und Marcel Müller sind gute Shooter, Jon Matsumoto kann das Spiel machen, auch die Arbeiter vor dem Tor sind mit Ben Hanowski, Sebastian Uvira und Alexander Oblinger vorhanden. Daraus sollte sich doch eigentlich ein gutes Powerplay formen lassen.

Interview mit Mike Stewart vor dem Spiel Augsburger Panther – Kölner Haie

#4 ISERLOHNER IDENTITÄT

Ich war noch nie am Seilersee. Langsam wird’s Zeit, die Stimmung dort einmal live zu erleben. Das ist sicher Teil der Iserlohner Identität. Genauso wie die vielen Zweiflaggen-Deutschen, es gehörte jahrelang zum Konzept der Roosters, Spieler in Nordamerika auch danach zu scouten, ob sie schnell einen deutschen Pass bekommen können (Kanada 1c und so).

In dieser Saison hat sich daran ein bisschen was geändert. Junge deutsche Spieler wie Tim Fleischer, Julian Lautenschlager, Neal Samanski oder Erik Buschmann machen auf sich aufmerksam und am Freitag gelang Jonas Neffin in seinem allerersten DEL-Spiel gegen Tabellenführer München ein Shutout. Wie sieht sie also aus, die Iserlohner Identität? Stefan Wiedemeier – auf Twitter immer eine gute Quelle, wenn es um die Roosters geht – bestätigt den Eindruck, den ich aus der Distanz gewinne.

Ich glaube in Sachen Identität ist man hier aktuell gerade ein bisschen auf der Suche und hat sie noch nicht so wirklich gefunden: Der komplette Staff ist neu, der Sportliche Leiter Christian Hommel ist neu, Coach Jason O‘Leary ist neu, fast die komplette Mannschaft ist neu. Du hast auf der einen Seite die jungen Deutschen wie Buschmann, Lautenschlager, Samanski, Fleischer – die machen Spaß. Gerade in den letzten beiden Spielen gab es da mehr Eiszeit und sie nutzen Sie auch. Beim 7:5-Auswärtssieg in Mannheim hatte Buschmann über 20 Minuten Eiszeit und Samanski, Fleischer, Lautenschlager war die beste Reihe. Buschmann ist bisher eindeutig die Überraschung der Saison. Den hatte man so auch intern nicht auf dem Zettel. Man hat ja stets betont, dass man bewusst auf junge deutsche Spieler setzen möchte und ist meiner Meinung nach vor der Saison bewusst ein gewisses Risiko gegangen, um zu testen. Mit der Vertragsverlängerung mit Erik Buschmann bis 2022 hat man das jetzt auch nochmal signalisiert.“

Stefan Wiedemeier über die Iserlohn Roosters

#5 MICHIGAN? LACROSSE? DUBÉ!

In den 90er Jahren erzählten sich die Kinder und Jugendlichen auf dem Eisplatz bei uns dabeim die Geschichte von Yanick Dubé, der Zaubermaus des EC Bad Tölz. Der hatte sich doch tatsächlich in einem Spiel die Scheibe hinter dem Tor auf den Schläger gepackt, blitzschnell um den Pfosten herumgeführt und ins Kreuzeck geschleudert. „Jetzt mach ich den Dubé“ war seitdem bei uns ein feststehender Ausdruck – so wie „Den Zidane machen“, wenn Fußballer auf den Ball steigen und ihn mit einer Drehung mit der anderen Sohle am Gegenspieler vorbeiziehen.

„Den Dubé machen“ klappte auf dem Eisplatz ehrlich gesagt eher selten, aber dieses Tor, auch „Michigan-Tor“ oder „Lacrosse-Tor“ genannt, sehen wir in letzter Zeit immer öfter. Dem Russen Andrei Svechnikov gelang es kürzlich in der NHL und Roope Ranta nutzte die große Bühne des Winterderbys in der DEL2 ebenfalls für dieses Kunststück.

Das Tor hat über die Grenzen Deutschlands hinaus Aufmerksamkeit bekommen. Das ist gut, auch wenn ich mich nie so wirklich für den Move begeistern konnte. Er hat wenig damit zu tun, wie das Spiel „eigentlich“ gespielt wird. Dazu geht es für mich persönlich zu sehr in Richtung Veräppelung der Gegenspielers, der Torwart sieht maximal blöd aus. Und wie verteidigt man diesen Move, ohne zu wild mit dem Schläger herumzufuchteln?

Ich bin kein Fan. Und das hat nichts damit zu tun, dass ich „den Dubé“ selber nicht auf die Reihe gekriegt habe.

#6 FINISHING UP

  • Antwort zur Trivia aus der Vorwoche: Jon Matsumoto spielte in Schwenningen, Augsburg, München und Iserlohn, bevor er nach Köln wechselte.
  • Neue Trivia: Wer ist nach Don Jackson dienstältester DEL-Trainer? Die Antwort am besten ohne Google, entweder in die Kommentare oder bei Twitter (@fetzi6).
  • Die Straubing Tigers haben eine bessere Unterzahlquote (89 %) als Powerplay und Penaltykilling der Iserlohn Roosters addiert (87,38 %). Genauso eklatant ist die Iserlohner Tordifferenz in den Special Teams von -17.
  • Ingolstadts Powerplayquote in den vergangenen zehn Spielen: 35,71 %.
  • Patrick Reimer hat in fünf Spielen in Folge getroffen, nur Leo Pföderl hatte in dieser Saison einen längeren Streak (sechs Spiele).
  • Wer schießt die spektakulärsten Penalties der Liga? Brandon Buck ist sicher ein Kandidat, Kris Foucault aber auch.
https://www.instagram.com/p/B6GyB8AoSRX/?igshid=1b1voqww56aj4

Das war’s mit den Finishing 6. Bis nächste Woche. Habe die Ehre.