Finishing 6 – DEL-Spieltage 28 bis 30

Ein Eishockeyspiel beginnt mit den Starting 6, den Rückblick von Christoph Fetzer auf das DEL-Wochenende gibt es hier in den Finishing 6. Der Autor ist auch auf Twitter, Instagram und Facebook zu finden. Auf Instagram wird es am Montagabend gegen 18:00 ein “Ask me anything” zur DEL geben.

#1 AWARDS

In der aktuellen Episode des Hockey-Buddies-Podcasts haben Tom Kanzock und ich unsere In-Season-Awards vergeben – Tom in der NHL, ich in der DEL. Hier meine DEL-Awards, die ausführliche Erklärung dazu gibt es im Podcast.

  • Torwart: Mathias Niederberger (Düsseldorfer EG)
  • Verteidiger: Simon Sezemsky (Augsburger Panther)
  • Defensivverteidiger: Sena Acolatse (Straubing Tigers)
  • Stürmer: Mark Voakes (EHC Red Bull München)
  • Rookie: Tim Stützle (Adler Mannheim)
  • Most improved player: Daniel Fischbuch (Thomas Sabo Ice Tigers)
  • Trainer: Tom Pokel (Straubing Tigers)
  • Manager: Jason Dunham (Straubing Tigers)

#2 MIT SERIEN IN DIE WEIHNACHTSPAUSE

An Siegesserien von München (elf vom Saisonstart weg) und Mannheim (zehn bis zum vergangenen Freitag) haben wir uns gewöhnt, wir wissen, wie stark dieses Mannschaften sind. Aber es gibt momentan noch ein paar andere Teams in der DEL, die sich in dieser wichtigen Phase der Saison gut positionieren. Der ERC Ingolstadt geht mit vier Siegen in Folge in die kurze Weihnachtspause, dreimal drehten die Schanzer dabei einen Rückstand, gegen Augsburg sogar ein 0:3. Die Eisbären Berlin haben vier der vergangenen fünf Spiele gewonnen und dabei die lange Siegesserie der Adler Mannheim beendet. Auch die Fischtown Pinguins Bremerhaven gewannen zuletzt vier von fünf Spielen, unter anderem war ein 5:4-Sieg nach Verlängerung gegen die Straubing Tigers dabei. Die Grizzlys Wolfsburg sicherten mit drei Siegen in Folge fürs Erste den Platz unter den ersten Zehn ab.

Aus diesen Teams stechen zwei Einzelspieler ganz besonders heraus. Maury Edwards (ERC Ingolstadt) hat sich zum besten Torschützen und Scorer unter den Verteidigern aufgeschwungen, er hat schon zehn Mal getroffen. Marcel Noebels (Eisbären Berlin) ist auf dem besten Weg zu einem Career Year.

#3 MARCEL NOEBELS

Noebels ist ein sehr guter Eishockeyspieler, er ist Nationalspieler und war schon einmal auf dem Sprung in Richtung Nordamerika. Aber er ist in den vergangenen Jahren nicht unbedingt in erster Linie als Scorer aufgefallen. Schon eher als verlässlicher Zwei-Wege-Spieler, der seine Qualitäten im Penaltykilling hat. Bei den Olympischen Spielen 2018 war er Rollenspieler, nahm diese Aufgabe an und war auf dem Weg zur Silbermedaille vor allem im deutschen Unterzahlspiel ein großer Faktor.

In dieser Saison explodiert Noebels in der Offensive förmlich. Er hat 15 Tore erzielt und damit seinen DEL-Bestwert bereits jetzt um vier Treffer überboten. Scort Noebels mit einem ähnlichen Tempo weiter wie bisher, wird er auch bei den Punkten seinen bisherigen Bestwert pulverisieren.

Auffällig ist seine Vielseitigkeit in der Offensive. Beim 5:1-Sieg gegen die Adler Mannheim traf Noebels mit einem krachenden Onetimer und nach einem schönen Solo, bei dem er sich die Scheibe am Ende auf die Rückhand legte. In Überzahl ist Noebels momentan der Eisbären-Stürmer mit der meisten Eiszeit, seine macqueenesken Direktschüsse machen das Berliner Powerplay gefährlicher. Dazu kommt die weiter verlässliche Defensivarbeit mit Eiszeit in Unterzahl. Noebels ist einer der besten Allrounder unter den Top-10-Scorern der DEL. Auch Tom Kanzock hebt Noebels in seinem Game Recap auf hauptstadteishockey.com heraus.

Marcel Noebels spielt aktuell das beste Eishockey seit er bei den Eisbären Berlin ist. Im Dezember hat er in bislang acht Spielen sieben Tore geschossen und zwei weitere vorbereitet. Gegen Mannheim erzielte er zwei Treffer und gegen Nürnberg erzielte er den Siegtreffer. Im Powerplay bringt er sich in Positionen für Direktschüsse. Wie sich Selbstvertrauen auswirkt, zeigte sein zweiter Treffer. In einer Situation in der er, wie er selbst sagt „normalerweise schießen würde“, entschied er sich für einen Move um Denis Reul und einen erfolgreichen Move auf die Rückhand.

Tom Kanzock auf hauptstadteishockey.com über Marcel Noebels

#4 MÜNCHENS SPEZIELLES POWERPLAY

Vor einer knappen Woche führten die Straubing Tigers die Blitztabelle kurz an, aktuell hat der EHC Red Bull München aber wieder acht Punkte Vorsprung und behauptet sich trotz ellenlanger Verletztenliste an der Tabellenspitze. Bei den knappen Siegen in Straubing (3:2 nach Verlängerung) und Düsseldorf (3:2) machte zuletzt auch das Überzahlspiel den Unterschied aus. Das Powerplay war in der Saison 2018/19 ja eher ein Sorgenkind, in der kompletten Hauptrunde schossen die Münchner nur 30 Überzahltore. Jetzt sind es schon 27, nur Mannheim (31) und Augburg (29) trafen häufiger im Powerplay.

Dabei ist es fast schon faszinierend, wie München seine Powerplaytreffer erzielt. In der 1-3-1-Formation haben die meisten Mannschaften das Ziel, einen Direktschützen freizuspielen. Wir kennen das aus der NHL von Alex Ovechkin, David Pastrnak oder Patrik Laine. In der DEL erzielte in der Vorsaison Markus Eisenschmid auf diese Weise seine Überzahltore. Dazu haben die Adler Mannheim mit Borna Rendulic und Matthias Plachta weitere gute Direktschützen. Bei den Augsburger Panthern ist Simon Sezemsky der Mann mit dem gefährlichen Onetimer. Und bei München? Fehlt der Spielzug „Pass -> Direktschuss vom Bullykreis“ eigentlich komplett. Es sieht fast so aus, als hätte die Mannschaft akzeptiert, dass es nach dem Karriereende von Michael Wolf keinen richtig gefährlichen Onetimer-Schützen von der Half Wall im Kader gibt. Deswegen spielt München seine Überzahltore anders heraus. Oft kommt ein scharfer Pass vor das Tor, wo Spieler wie Yasin Ehliz, Philip Gogulla oder Trevor Parkes ihren Schläger hinhalten und einen relativ einfachen „Tap-in“ haben. Oder die Münchner schießen aus dem Zentrum von der Blauen Linie und nehmen dem gegnerischen Torwart mit zwei Spielern die Sicht. Oder sie fälschen die Schüsse im Slot zusätzlich ab.

Von den 27 Überzahltoren des EHC Red Bull München fiel nur ein einziges (!) nach Querpass und Direktschuss vom Bullykreis. Die Münchner verzichten auf einen einzelnen Go-to-guy in Überzahl, sie haben fünf davon auf dem Eis.

Ganz generell geht die Entwicklung in Überzahl momentan in der DEL auch eher dahin, über den Slot zu spielen. Abgesehen von Simon Sezemsky (neun Powerplaytore) erzielen die besten Überzahltorschützen ihre Treffer aus kurzer Distanz: So sind Jerome Flaake (acht Powerplaytore) und Ben Smith (sechs Powerplaytore) oft nach scharfen Pässen von Alex Barta und Matthias Plachta zur Stelle, Adam Payerl (sieben Powerplaytore) fühlt sich ebenfalls direkt vor dem Tor am wohlsten, weil er dort abfälschen und -stauben kann.

#5 DIE AUßENWIRKUNG DER DEL

„Love the atmosphere“, „Crowd was so fun“ – Ray Ferraro und Gord Miller sind viel rumgekommen in der Eishockeywelt und doch haben sie wahrscheinlich selten so etwas erlebt wie beim 5:1-Sieg der Eisbären Berlin gegen die Adler Mannheim. Ferraro und Miller sind für den kanadischen Sender TSN bei der U20-Weltmeisterschaft im Einsatz. Sie fuhren aus Brno in Tschechien nach Berlin, um Ferraros Sohn Landon spielen zu sehen – und waren fasziniert von der Stimmung.

Wir schauen oft neidisch nach Nordamerika, weil dort die Qualität des Eishockeys so hoch ist. Dabei dürfen wir aber auch nicht vergessen, was die DEL ausmacht: Volle Stadien, leidenschaftliche Fans, überragende Stimmung – das macht selbst im Mutterland des Eishockeys richtig Eindruck.

#6 FINISHING UP

  • Antwort zur Trivia aus der Vorwoche: Thomas Popiesch ist nach Don Jackson dienstältester Trainer in der DEL.  
  • Neue Trivia: Wer schoss in den vergangenen fünf Hauptrunden jeweils die meisten Powerplay-Tore? Nennt mir mindestens drei Spieler. Die Antwort am besten ohne Google, entweder in die Kommentare oder bei Twitter (@fetzi6).
  • Jeremy Williams ist mit jetzt 86 Treffern neuer Rekordtorschütze der Straubing Tigers in der DEL. Bemerkenswert: In dieser Saison erzielte er 15 seiner 16 Tore bei Even Strength.
  • Denis Reul und Fabio Wagner sind eigentlich nicht in erster Linie für ihre Offensivqualitäten bekannt. Trotzdem stellten sie neue Karriere-Bestwerte bei Toren auf – Reul mit vier, Wagner mit drei.
  • Mike Schmitz (Krefeld Pinguine) erzielte im 58. DEL-Spiel sein erstes Tor.
  • Rund einen Monat war Olivier Roy verletzt ausgefallen, im zweiten Spiel nach seiner Rückkehr gelang dem Augsburger Torwart beim 3:0 gegen die Krefeld Pinguine ein Shutout.
  • Dritter Torwart, dritter Torwart mit einem Shutout: Daniel Fießinger (EHC Red Bull München) schaffte das, was zuvor in dieser Saison schon Danny aus den Birken und Kevin Reich gelang.
  • Es gibt im Eishockey fast nicht, was es nichts gibt. Dass ein Puck in der Maske des Torwarts feststeckt und das Blut spritzen lässt, habe ich noch nie gesehen. Schön, dass Timo Pielmeier anschließend auf die Bank zurückkehrte und dass Alex Grenier beim Shakehands die Möglichkeit bekam, sich zu erkundigen, ob alles in Ordnung ist.
https://www.instagram.com/p/B6TsvL8IUJk/?igshid=1g8q7lqmmhjcv
  • Sena Acolatse schien sein Rüpelimage zu Saisonbeginn fast schon abgelegt zu haben. Aber mittlerweile hat er mit 61 Strafminuten schon wieder die zweitmeisten der Liga. Bei den Niederlagen gegen München und Mannheim saß er bei entscheidenden Gegentoren auf der Strafbank – München kam wieder heran, Mannheim entschied das Spiel in der Verlängerung. Kommentar Sandro Schönberger bei Magenta Sport nach der Niederlage gegen München: „Wir führen 2:0 nach dem 2. Drittel und machen solche dummen Fouls. Da müssen wir einfach mal draus lernen. Irgendwann ist es auch genug.“
  • Frohe Weihnachten und Danke an alle, die hier regelmäßig vorbeischauen.

Das war’s mit den Finishing 6. Bis nächste Woche. Habe die Ehre.