Finishing 6 – DEL-Spieltage 3 & 4

Ein Eishockeyspiel beginnt mit den Starting 6, den Rückblick auf das DEL-Wochenende gibt es hier in den Finishing 6.

#1 REBOUNDKONTROLLE

Danke für Euer Feedback zu den Finishing 6 aus der Vorwoche. Ich greife das hier gerne auf. Für die meisten Rückmeldungen hat der Punkt zu den jungen Spielern Tim Stützle, JJ Peterka und Justin Schütz gesorgt, die am Freitag beim Duell Mannheim – München (2:7) gleich einmal aufeinandergetroffen sind. Stützle bereitete den Mannheimer Führungstreffer in Überzahl vor, Peterka traf zum zwischenzeitlichen 6:2 für München.

Völlig zu Recht habt Ihr mich auf Lukas Reichel in Berlin und Erik Buschmann in Iserlohn hingewiesen. Beide haben über 13 Minuten Eiszeit, Colin Ugbekile (Köln) sogar über 14. Am Wochenende haben mit Tim Brunnhuber (Straubing) und Neal Samanski (Iserlohn) zwei 20-Jährige ihre ersten DEL-Tore geschossen. Es tut sich was.

Trotzdem müssen wir uns immer auch die Frage stellen: Würden diese Spieler auch in der Liga spielen, wenn es die U23-Regelung nicht gäbe?

#2 BRÜCKMANNS SHUTOUT-COMEBACK

Ich war damals im Stadion, als Florian Busch in Berlin Felix Brückmanns Shutout-Streak von über vier Spielen und genau 315:01 Minuten ohne Gegentor beendete. Brückmann war in überragender Form, sprach aber schon damals viel über die gute Defensivarbeit seiner Vorderleute und wenig über sein eigenes Spiel. Er tat das auch nach seinem Comeback nach langer Verletzungspause wieder. Das 2:0 gegen den ERC Ingolstadt hat uns alle daran erinnert, dass Brückmann einer der besten deutschen Torhüter ist. Toll auch das Interview mit Mike Münkel nach dem Spiel und die Reaktion der Mitspieler.

Die Grizzlys Wolfsburg haben mit Felix Brückmann und Chet Pickard ein gutes Torwart-Duo, die Zugänge um Anthony Rech und Mathis Olimb haben keine Anlaufschwierigkeiten und Brent Aubin – mit fünf Treffern zweitbester Torschütze der Liga hinter Jamie MacQueen (6) – hat zur Form früherer Tage zurückgefunden. Mit Wolfsburg ist nach der schwachen Vorsaison wieder zu rechnen.

#3 DEG IN DER SAISON ANGEKOMMEN

An den ersten beiden Spieltagen war die Düsseldorfer EG ohne Punkt geblieben und hatte nur zwei Tore geschossen. Mit einem Roadtrip durch Bayern und Siegen in Augsburg (4:3 nach Penaltyschießen) und Straubing (3:2) ist die Mannschaft von Trainer Harold Kreis nun in der Saison angekommen. Kreis sprach vor der Partie in Augsburg davon, dass sein Team noch Probleme habe, die Scheibe schnell aus dem eigenen Drittel zu bekommen, in der Vorsaison eine der Stärken der DEG. In Augsburg lief das schon besser. Dazu funktionierte das Powerplay, nach 0/7 am ersten Wochenende schoss die DEG gegen die Panther gleich drei Überzahltore.

Bis der Umbruch endgültig geschafft ist, wird es wahrscheinlich noch ein wenig dauern. Die neuen Spieler zeigen aber gute Ansätze. Reid Gardiner sticht durch seine Übersicht und Ruhe an der Scheibe heraus, die Reihe mit ihm, Alex Barta und Maxi Kammerer harmoniert gut. Dazu hat die DEG mit Adam/Olimb/Nehring eine weitere Scoring-Reihe. Adam darf/kann/muss in Düsseldorf mehr Verantwortung übernehmen als zuletzt in Mannheim. Bei der DEG spielt er auch Unterzahl und erzielte in Straubing einen Shorthander. Nicholas Jensen (erstes Tor gegen Straubing) und Alexander Urbom überzeugen nicht nur durch ihre physische Präsenz, sondern können auch zu den erhofften „Puck Movern“ aus der Defensive werden.

#4 MÜNCHENS POWERPLAY: VIEL SLOT UND BLAUE LINIE

Das Powerplay des EHC Red Bull München war in der Vorsaison sowohl in der Hauptrunde als auch in den Playoffs im hinteren Drittel zu finden. Beim 4:2-Sieg gegen die Eisbären Berlin gelangen den Münchnern gleich drei Überzahltore. Bei allen dreien war die Formation mit den beiden Verteidigern Bobby Sanguinetti und Konrad Abeltshauser sowie den Stürmern Mark Voakes, Patrick Hager und Philip Gogulla auf dem Eis. Auffällig ist, dass den Münchnern sowohl in dieser Formation als auch ganz allgemein ein gefährlicher Onetimer-Schütze vom Bullykreis fehlt. Die Überzahltore gegen Berlin erzielte München nach Schüssen von der Blauen Linie oder aus dem Slot.

Das Münchner Überzahlspiel war in der Vorsaison zu kompliziert. Oft verzettelte man sich auf der Suche nach dem perfekten Abschluss. Die Schüsse von der Blauen Linie sind ein Weg, mehr Geradlinigkeit hineinzubringen. Den Slot muss München aber wohl auch zukünftig immer mal wieder finden. Ich rechne nicht mit vielen Powerplay-Toren durch Querpässe von Bullykreis zu Bullykreis und anschließendem Onetimer.

#5 GUTER SPECIAL-TEAMS-START VON NÜRNBERG UND STRAUBING

Das Nürnberger Überzahl wird nicht bei 42,86 % bleiben, das Straubinger Unterzahl wahrscheinlich nicht bei 91,3 %. Auffällig sind diese Zahlen aber trotzdem – auch weil sie gegen den Trend sind. Nürnberg tat sich in den vergangenen Jahren in Überzahl eher schwer, Straubing war eine der schwächsten Mannschaften in Unterzahl.

Die Ice Tigers schicken in ihrer ersten Powerplay-Formation mit Will Acton, Chris Brown, Patrick Reimer, Brandon Buck und Daniel Fischbuch fünf Stürmer aufs Eis. Fischbuch ist für den Kollegen Sebastian Böhm aus Nürnberg ein wichtiger Faktor für das Nürnberger Powerplay: „Seine Geschichte ist faszinierend. Er trifft derzeit nur gute Entscheidungen an der Blauen Linie. Beeindruckend, was durch ein bisschen Vertrauen möglich ist.“ Vier seiner sieben Scorerpunkte sammelte Fischbuch im Powerplay.

Teil des guten Penaltykillings der Straubing Tigers sind auch zwei neue Spieler: der US-Amerikaner Chase Balisy (3:52 Unterzahl pro Partie) und der Ex-Ingolstädter Benedikt Kohl (3:48). Die Tigers haben in der Verteidigung von drei auf zwei Kontingentspieler reduziert, den defensiv verlässlichen Kohl geholt und mit Allrounder Balisy für mehr Tiefe im Sturm gesorgt. Bis jetzt geht das auf.

#6 WAS NOCH ÜBRIG BLEIBT

  • Ein kurzer Blick auf die Tapetenwechsel-Spieler aus der Vorwoche und noch einmal Daniel Fischbuch (von Berlin nach Nürnberg): Er ist mit 3/4/7 drittbestes Scorer der Liga und hat schon jetzt einen Scorerpunkt mehr als in der kompletten Vorsaison. Travis Turnbull (von Iserlohn nach Straubing) steht bei 4/2/6.
  • Alle fünf Assists von Mark Voakes waren Primary Assists, er hat immer den letzten Pass vor dem Tor gespielt.
  • Es gibt ein paar Teams, die richtig Probleme mit dem Toreschießen haben: Köln mit sechs Treffern in vier Spielen, Iserlohn mit sieben und Ingolstadt hat nach dem 10:4-Kantersieg gegen Schwenningen zum Auftakt in den anderen drei Partien nur fünf Tore erzielt.
  • Grund für den letzten Tabellenplatz der Roosters sind auch die schwachen Special Teams: Sowohl in der Tordifferenz (-6) als auch in der Addition der Quoten (52,4 %) haben sie den schwächsten Wert der Liga.

Das war’s mit den Finishing 6. Bis nächste Woche. Habe die Ehre.