Finishing 6 – DEL-Spieltage 31 bis 33 & U20-WM

Ein Eishockeyspiel beginnt mit den Starting 6, den Rückblick von Christoph Fetzer auf das DEL-Wochenende gibt es hier in den Finishing 6. Der Autor ist auch auf Twitter, Instagram und Facebook zu finden.

#1 MEIN EISHOCKEY-2020

Ich bin auch 2020 für Magenta Sport regelmäßig in den Eisstadien der DEL unterwegs und habe mir vorgenommen, hier nach jedem Wochenende meine Gedanken niederzuschreiben. Mit Tom Kanzock werde ich im Hockey-Buddies-Podcast über DEL und NHL sprechen. Dazu tüfteln Sebastian Böhm, Bernd Schwickerath und ich an der Umsetzung eines wöchentlichen „Round Table“. Wir treffen uns jeden Donnerstag, um über ein Eishockey-Thema zu sprechen. Und mein großes Ziel ist es, die Eishockey-WM 2020 vor Ort mit täglicher Berichterstattung über Blog, Podcast und Social Media zu covern. Ich lasse Euch wissen, wann und wie Ihr das Projekt über #bisslHockey unterstützen könnt.

#2 DIE DEUTSCHE U20 MACHT SPAß

Tritt eine deutsche Eishockeynationalmannschaft gegen die Besten der Welt an, gibt es ein eisernes Gesetz: Wenn sich die Niederlage einigermaßen in Grenzen hält, ist das ein Erfolg. Kanada, die USA, Russland, Schweden, Finnland und Tschechien sind einfach eine Nummer zu groß. Die deutsche U20 hat dieses Gesetz bei der WM in Tschechien gebrochen. Sieg gegen den Gastgeber, gegen die USA zweimal geführt, gegen Kanada phasenweise mit den besseren Chancen, nur gegen Russland wirklich chancenlos: Auch wenn es nicht für das Viertelfinale gereicht hat, war das bisher ein bemerkenswertes Turnier und der Klassenerhalt in der Relegation gegen Kasachstan sollte ein realistisches Ziel sein.

Natürlich stechen Seider, Stützle, Schütz, Bokk, Reichel und Peterka aus der Mannschaft heraus und auf ganz hohem Niveau ist die Tiefe noch nicht gegeben. Aber auch über die bereits Gedrafteten (Seider, Bokk, Schütz) und die für den Draft 2020 teilweise hoch gehandelten Prospects (Stützle, Reichel, Peterka) hinaus haben einige Spieler gezeigt, dass DEL-Clubs etwas mehr auf sie zählen oder – wie im Fall der DEL2-Spieler – über eine Verpflichtung nachdenken sollten.

#3 IM WOLLDECKENSTURM

Umso unverständlicher ist es, dass die jungen deutschen Spieler in der DEL weiterhin oft nur Beiwerk sind. Die Eisbären Berlin traten am Zweiten Weihnachtsfeiertag mit nur drei Sturmreihen in Straubing an, verkürzten die Bank selbst aber noch einmal zusätzlich. Thomas Reichel bekam relativ bald einen Platz im Wolldeckensturm ganz außen auf der Spielerbank, Constantin Braun spielte für ihn Stürmer und schob zusätzliche Schichten in der Verteidigung.

Die Straubing Tigers reagierten, in dem sie die vier kompletten Sturmreihen ebenfalls auf elf Spieler eindampften, Vladislav Filin bekam keine Eiszeit. Gerade in einer Phase, in der jeden zweiten Tag ein Spiel ansteht, wird die Eiszeit der anderen Spieler dadurch noch einmal zusätzlich nach oben geschraubt. Weder Verletzungsprobleme noch U23-Regelung garantieren, dass junge deutsche Spieler in der DEL die Eiszeit bekommen, die sie brauchen, um sich weiterzuentwickeln.

#4 DER GRIND ÜBER WEIHNACHTEN UND SILVESTER

Um den Jahreswechsel herum nimmt die DEL-Saison richtig Fahrt auf, fast jeden zweiten Tag gibt es ein Spiel, die Tabelle sortiert sich. Wer in dieser Phase keine Punkte holt, bleibt schnell auf der Strecke. Zu den Gewinnern der vergangenen Tage gehört der EHC Red Bull München, der weiter unbeirrt punktet und den Vorsprung auf die Straubing Tigers auf 13 Punkte vergrößert hat. Auch die Eisbären Berlin waren erfolgreich und schoben sich bis auf sechs Punkte an die Adler Mannheim heran. Die kürzlich noch größte Lücke in der Tabelle, sie ist fast geschlossen. Die Pinguins Bremerhaven und der ERC Ingolstadt sicherten sich mit guten Ergebnissen erst einmal einen Platz unter den Top6. Die Schwenninger Wild Wings gaben mit einer kleinen Siegesserie zumindest die Rote Laterne an die Iserlohn Roosters weiter.

Auch wenn die Adler Mannheim immer noch Dritter sind, gehören sie zu den Verlierern der vergangenen Tage. Die beiden direkten Duelle gegen München im Dezember gewannen die Adler und schoben sich näher an den Spitzenreiter heran. Aber in den Spielen gegen die anderen Gegner lässt der Meister zu viele Punkte liegen, so dass der Rückstand auf München wieder auf 14 Punkte angewachsen ist. Die Kölner Haie und die Düsseldorfer EG treten ein wenig auf der Stelle, die Thomas Sabo Ice Tigers erleben mit sechs Niederlagen innerhalb nicht einmal zwei Wochen die schwierigste Phase der Saison.

#5 CHALLENGE BEI ABSEITS?

Das 1:1 der Schwenninger Wild Wings im Spiel gegen die Straubing Tigers darf nie im Leben zählen, das ist klares Abseits.

Seht Ihr, Shorthanded News, so wird ein Screenshot gemacht.

Eishockey ist ein schnelles Spiel, Fehler passieren. In diesem Fall reicht es, das Bild kurz anzuhalten, um das Abseits zweifelsfrei festzustellen. Wäre eine Challenge für Abseitssituationen wie in der NHL sinnvoll? Ich bin hin- und hergerissen. Es nervt, wenn bei solchen Entscheidungen ins Bild gezoomt wird, um zu überprüfen, ob vielleicht doch noch ein Fitzelchen der Kufe die Blaue Linie berührt. Und die kalibrierten Linien im Fußball ziehen das Ganze noch mehr ins Lächerliche. Denn wer einen Zentimeter weiter vorne ist, zieht (eishockey- und fußballphilosophisch gesehen) keinen Vorteil aus seiner Position.

Im Eishockey ist die Abseitsposition eine klare Schwarz-Weiß-(Blau)-Entscheidung, weil nicht die Position zweier Spieler zueinander und der Zeitpunkt des Passes entscheidend sind, sondern die Kombination aus Position von Schlittschuh, Puck und Blauer Linie. Da hilft das Standbild schon eher. Mein Lösungsvorschlag wäre: Gebt den Trainern eine Challenge bei Abseits. Aber es muss – wie im Fall Schwenningen gegen Straubing – aus der Totalen (!) ohne Zoom (!!) zweifelsfrei (!!!) zu erkennen sein, dass es Abseits ist.

#6 FINISHING UP

  • Antwort zur Trivia aus der Vorwoche: Markus Eisenschmid (18/19), Jeremy Williams, Gerrit Fauser (17/18), Brent Aubin, Trevor Parkes (16/17), Thomas Greilinger (15/16) und Andreas Martinsen (14/15) sind die Spieler, die in den vergangenen fünf Hauptrunden jeweils die meisten Powerplay-Tore geschossen haben.
  • Neue Trivia: Wie viele U20-Spieler in der DEL haben derzeit eine zweistellige Eiszeit pro Spiel? Die Antwort am besten ohne Google, entweder in die Kommentare oder bei Twitter (@fetzi6).
  • Simon Schütz und Basti Eckl erzielten im Derby zwischen dem EHC Red Bull München und dem ERC Ingolstadt ihre ersten DEL-Tore.
  • Scott Kosmachuk demonstrierte mit seinem Hattrrick gegen Iserlohn wieder einmal, wie wichtig er für die Augsburger Panther ist.
  • Die jüngsten Erfolge der Schwenninger Wild Wings haben zwei wichtige Faktoren: Jordan Caron schlägt ein, dazu spielen die Wild Wings bessere Team-Defense. „So ruhig hatte ich bis jetzt noch kein Spiel“, sagte Torwart Dustin Strahlmeier bei Magenta Sport nach dem 3:2-Sieg nach Verlängerung bei der Düsseldorfer EG.
  • Die Team-Defense bei den Eisbären Berlin könnte dagegen noch besser sein, dann gäbe es vielleicht auch weniger Diskussionen um Sebastian Dahm. Fünf Ergebnisse aus dem Dezember: 5:6, 4:5, 4:5, 6:5, 4:5. Drei dieser Niederlagen gab es aber in Verlängerung oder Penaltyschießen, so dass die gute Offensive den Eisbären zumindest einen Punkt sicherte.
  • Was Svechnikov, Höglander und Dubé können, kann Festerling schon lange.
https://www.instagram.com/p/B6oIbkopdJh/?igshid=1lkckf9lmu6r3

Das war’s mit den Finishing 6. Bis nächste Woche. Habe die Ehre.