Finishing 6 – DEL-Spieltage 34 & 35

Ein Eishockeyspiel beginnt mit den Starting 6, den Rückblick von Christoph Fetzer auf das DEL-Wochenende gibt es hier in den Finishing 6. Der Autor ist auch auf Twitter, Instagram und Facebook zu finden.

#1 JEDER PUNKT ZÄHLT

In der wichtigen Phase um die Weihnachtsfeiertage und Silvester herum häuften sich in der DEL die engen Spiele. Acht der letzten 15 Spiele des Jahres 2019 gingen in die Verlängerung oder ins Penaltyschießen. Es geht langsam darum, Plätze in den Top4, Top6 oder Top10 abzusichern. Da hilft der eine Punkt nach 60 Minuten schon einmal weiter. Insgesamt sind die Partien, die in Verlängerung oder Penaltyschießen entschieden werden, im Vergleich zur Saison 2018/19 nicht bedeutend angestiegen. Jetzt sind es 55 Spiele, zum gleichen Zeitpunkt der Vorsaison waren es 50. Bremerhaven (zwölf Mal), Köln (elf Mal) und Straubing (zehn Mal) mussten am häufigsten nachsitzen. Eine positive Bilanz haben Straubing, Ingolstadt, Düsseldorf, Wolfsburg und Nürnberg. Was auf den ersten Blick wie eine Zahlenspielerei aussieht, könnte am Ende für die Tabelle von großer Bedeutung sein. Schließlich gaben in der Vorsaison bei allen wichtigen Entscheidungen (Heimrecht im Viertelfinale, direkte Playoff-Qualifikation, Einzug in die 1. Playoff-Runde) nur wenige Punkte den Ausschlag.

Da hilft es auch, Penaltyschießen drauf zu haben. Die Düsseldorfer EG beherrscht diese Disziplin mit vier Shootout-Siegen am besten, es folgen Straubing und Wolfsburg mit je drei Siegen im Penaltyschießen. Es gibt ein paar richtige Shootout-Spezialisten. Brandon Buck (Thomas Sabo Ice Tigers) hat 80 % seiner Penaltys verwandelt (4/5), Travis Turnbull (Straubing Tigers) und Victor Svensson (Düsseldorfer EG) je 75 % (3/4), Kris Foucault (ERC Ingolstadt) 66 % (4/6).

#2 VOM HÖHEN- ZUM TIEFFLUG

Eishockey ist schnelllebig. „Sehr gute Form des Teams hat viele Väter“ titelte die Eishockey News am 17. Dezember und es ging in diesem Artikel tatsächlich um die Thomas Sabo Ice Tigers. Das ist keine drei Wochen her. Die Nürnberger hatten sieben ihrer neun Spiele nach dem Deutschland Cup gewonnen und waren Tabellenvierter. Ich stellte hier die Frage, ob die Ice Tigers ein Kandidat für die direkte Playoff-Qualifikation oder vielleicht sogar für noch mehr sind. Seitdem gab es acht Niederlagen in Folge, die Ice Tigers sind auf den elften Platz abgerutscht, seit Ende November haben sie zu Hause nicht mehr gewonnen und die sechs Heimniederlagen in Folge sind eingestellter Negativrekord in der Nürnberger DEL-Geschichte.

Beim 1:3 gegen den ERC Ingolstadt war ich im Stadion. Phasenweise sah das ganz gut aus, aber es fehlte natürlich das Selbstverständnis in den Aktionen, das die Ice Tigers während ihrer Siegesserie ausgezeichnet hatte. Zumindest spielten sie nicht so vogelwild wie am Freitag in Bremerhaven, als Nürnberg reihenweise in Konter lief, katastrophal wechselte und mit 1:5 unterlag. Da wirkte es so, als wolle das Team es erzwingen. Und das geht eigentlich nie gut.

Viele Ice-Tigers-Spieler laufen ihrer Form hinterher, Daniel Fischbuch ist da wohl momentan die einzige Ausnahme. Dazu kommt die immer noch lange Verletztenliste. Es heißt zwar immer, dass das keine Ausrede sein darf. Aber wenn ein Team, das im Mittelfeld der Budgettabelle steht, auf einen Kontingentspieler schon die ganze Saison verzichten muss (Jim O’Brien) und auf zwei weitere den Großteil der Saison (Austin Cangelosi, Phil Dupuis), wenn dazu noch eine Handvoll weiterer wichtiger Spieler auf der Verletztenliste stehen, ist das nicht zu kompensieren.

Und das sind nur ein paar sportliche Faktoren in einer für die Ice Tigers in jeder Hinsicht schweren Saison.

#3 IMMER WIEDER FISCHTOWN

Die Hüte, die man ziehen kann, gehen schön langsam aus. Die Fischtown Pinguins Bremerhaven reden auch in ihrer vierten DEL-Saison wieder ein Wörtchen bei der Vergabe der Playoff-Plätze mit. Sie sind Tabellenfünfter. Krefeld, Iserlohn und Schwenningen schielen neidisch in den Norden und fragen sich wie wir alle: Wie machen die das eigentlich? Die Pinguins gehören zu den konstantesten Teams der Liga, sind in Offensive, Defensive, Über- und Unterzahl jeweils im Bereich der Top6. Es lohnt sich in diesem Fall auch ein Blick auf die Tordifferenz in den Special Teams, die mir oft zu kurz kommt. Meistens ist von der Quote die Rede, aber im Endeffekt geht es darum, mehr Tore zu schießen als der Gegner. Die Fischtown Pinguins stehen hier bei +11, nur Tabellenführer München ist mit +12 besser. Während der sechs Siege in Folge zwischen 29. und 34. Spieltag gewannen die Pinguins meistens den Special-Teams-Battle – oder verloren ihn zumindest nicht. Gerade in engen Spielen – vier der sechs Siege waren mit einem Tor Unterschied – enorm wichtig.

In der Offensive hatte zuletzt Justin Feser mit sieben Toren in sieben Spielen einen sehr guten Lauf. Jan Urbas ist mit 17 Treffern zusammen mit Trevor Parkes bester Torschütze der Liga. 21, 19 und jetzt schon wieder 17 Tore, darunter auch immer viele Game Winner – Urbas ist für die Pinguins Gold wert.

#4 ALLZWECK-ANTOINE

Eishockey ist ein Mannschaftssport, ja: DER Mannschaftssport schlechthin. Aber es gibt in einer Mannschaft natürlich Spieler, die schwerer zu ersetzen sind als andere. Bei den Straubing Tigers fiel Antoine Laganière zwischen dem 24. und dem 33. Spieltag verletzt aus. Die Tigers holten in dieser Phase nur 17 von möglichen 30 Punkten, waren mit dieser Bilanz nicht in den Top6 und durchlebten mit vier Niederlagen am Stück die schwerste Phase der Saison. Auch die Special-Teams-Quoten waren im hinteren Drittel der Liga.

Laganière war bis zu seinem Ausfall drittbester Scorer der Tigers und ist immer noch ihr bester Torschütze in Überzahl. Er war in allen Spielsituationen auf dem Eis, überzeugte im Fünf-gegen-fünf und in Überzahl mit seinem Skating und seiner Kreativität, in Unterzahl kam dem groß gewachsenen Stürmer seine Reichweite entgegen. Wie wichtig Laganière für die Straubing Tigers ist, zeigte sich gleich am ersten Wochenende nach seiner Rückkehr: Ein Assist beim 4:2-Sieg in Ingolstadt, Tor und Assist beim 3:2-Heimsieg gegen Augsburg. Die Straubing Tigers gewinnen die engen Spiele wieder und Antoine Laganière hat großen Anteil daran.

#5 WOHLGEMUTH/HÖFFLIN/ELSNER

Die U20 feiert den Klassenerhalt in der A-Gruppe und der nächste NHL-Draft könnte aus deutscher Sicht mit einem hohen Pick (Tim Stützle) und weiteren hoch gehandelten Prospects (Lukas Reichel, JJ Peterka) sehr interessant werden. Diese Spieler sind Ausnahmekönner, die ihren Weg sehr wahrscheinlich gehen werden. Aber was passiert mit den anderen Spielern dieser deutschen U20? Können sie sich mittelfristig in der DEL etablieren? Ist die Liga durchlässig genug, damit diese Spieler eine Chance bekommen?

Beim ERC Ingolstadt spielten zuletzt wieder Tim Wohlgemuth, Mirko Höfflin und David Elsner in einer Reihe. Die drei sind gute Beispiele für deutsche Spieler, auf die DEL-Clubs in einer für mich perfekten Welt ihr Fundament bauen sollten. Alle drei genossen einen Teil ihrer Ausbildung an Eishockey-Standorten mit Tradition, Höfflin in Mannheim, Elsner in Landshut, Wohlgemuth in Kaufbeuren, schafften den Sprung nach Nordamerika aber nicht ganz. Höfflin und Elsner wurden zwar gedraftet, bestritten aber kein Spiel in NHL oder AHL.

Der Scoring-Streak von David Elsner: Sieben Spiele mit vier Toren und vier Assists

Dann eben DEL. Höfflin und Elsner haben schon in der Vorsaison einen Sprung gemacht, Wohlgemuth macht ihn in dieser. Die derzeitige Form der deutschen Reihe des ERC Ingolstadt ist beachtlich: Elsner hat in sieben Spielen in Folge gescort, Wohlgemuth leitete beim Sieg in Nürnberg einen Treffer ein, indem er selbstbewusst die Scheibe hielt und Mirko Höfflin traf im dritten Spiel in Folge – dieses Mal besonders sehenswert.

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#6 FINISHING UP

  • Antwort zur Trivia aus der Vorwoche: Tim Stützle, Lukas Reichel, JJ Peterka und Justin Schütz sind die vier U20-Spieler in der DEL, die derzeit eine zweistellige Eiszeit pro Spiel haben.
  • Neue Trivia: Welche beiden NHL-Teams haben einst Mirko Höfflin und David Elsner gedraftet? Die Antwort am besten ohne Google, entweder in die Kommentare oder bei Twitter (@fetzi6).
  • Zu einer ordentlichen Starting 6 von Spielern, die vor nicht allzu langer Zeit noch bei den Eisbären Berlin gespielt haben, suche ich noch einen Verteidiger: Franzreb – Mister X – Adam – Fischbuch – Jahnke – Ziegler
  • Trevor Parkes hatte eine schwere erste Saison in München. Vor allem in den Playoffs ließ er die erhoffte Torgefahr vermissen. Aktuell ist er mit 17 Treffern zusammen mit Jan Urbas bester Torschütze der Liga, steuert auf einen klaren DEL-Bestwert zu und trifft wieder von dort, wo er sich am wohlsten fühlt: ganz nah vor dem Torraum, mitten im Gewühl.
  • Fabio Pfohl blüht bei den Grizzlys Wolfsburg wieder auf: Zwei Tore und acht Assists sind ihm in 14 Spielen gelungen. Auch in Überzahl spielt er eine wichtige Rolle. 
  • Neben Mirko Höfflin hat auch Maximilian Kammerer in drei Spielen in Folge getroffen.
  • 167 Mal waren die Straubing Tigers schon in Unterzahl, 163 Mal der EHC Red Bull München. Noch erlaubt die PK-Quote beiden Teams, so viele Strafzeiten zu nehmen.
  • Die Düsseldorfer EG lag in dieser Saison nur 415 Minuten in Rückstand, DEL-Bestwert. Gleichzeitig ein Zeichen dafür, dass in den entscheidenden Phasen das gewisse Etwas fehlt.

Das war’s mit den Finishing 6. Bis nächste Woche. Habe die Ehre.