Finishing 6 – DEL-Spieltage 38 & 39

Ein Eishockeyspiel beginnt mit den Starting 6, den Rückblick von Christoph Fetzer auf das DEL-Wochenende gibt es hier in den Finishing 6. Der Autor ist auch auf Twitter, Instagram und Facebook zu finden.

#1 KÖLNER KRISE

Jetzt sind die Kölner Haie mitten drin im Vierkampf um die Top 10. Das 2:3 gegen die Augsburger Panther und das 3:6 bei den Thomas Sabo Ice Tigers waren die Niederlagen sieben und acht in Folge. In den nächsten fünf Spielen treffen die Haie auf die Spitzenteams München und Mannheim und dazu noch zweimal auf die Ice Tigers. Die Saison droht den Bach runterzugehen.

Die Powerplay-Bilanz ist erschreckend. Mittlerweile warten die Haie zehn Spiele auf ein Überzahltor, in dieser Phase sind sie 0 von 44. Alleine am vergangenen Wochenende ließen die Haie zehn Powerplay-Situationen ungenutzt. Über die komplette Saison liegt die Quote bei mickrigen 9,4 %. Passenderweise schossen die Thomas Sabo Ice Tigers beim so wichtigen Duell um die Playoff-Ränge ihren Game Winner in Kölner Überzahl.

Die Haie-Offensive ist die drittschlechteste der Liga – und das trotz Namen wie Jon Matsumoto, Marcel Müller und Freddy Tiffels. In der Defensive fehlt momentan der letzte Schritt, die letzte Konsequenz. Das System von Mike Stewart – geprägt durch das schnelle Spiel aus der eigenen Zone, den hohen Druck und viele Schüsse auf das gegnerische Tor sowie den aggressive Forecheck – schien zwischenzeitlich zu greifen. Aber momentan können sich die Haie auf dieses System nicht verlassen.

Vielleicht ist es zu weit hergeholt, aber in der aktuellen Eishockey News wird das Eis in Köln zum schlechtesten der Liga „gekürt“. Das kommt dem System Stewart sicher nicht so entgegen wie früher das Eis in Augsburg.

Über allem schwebt aber das, was Dominik Tiffels nach der Niederlage in Nürnberg am Mikrofon von Magenta Sport aussprach: „Wir haben im Moment die Scheiße am Schläger.“

#2 JACK THE WRISTER

Jack „The Wrister” Skille – nices Wortspiel Roman Horlamus. Hiermit geklaut. Es hilft den Thomas Sabo Ice Tigers in dieser Saisonphase sicherlich, dass sie mit Jack Skille einen Spieler verpflichtet haben, der nicht nur Qualität mitbringt, sondern auch unbelastet aufs Eis gehen kann. Der Kopf ist frei, die Hände locker, das zeigte Skille gleich bei seinem Debüt im Spiel bei der Düsseldorfer EG. Erster Wechsel, erster Schuss, 1:0. Zweiter Schuss, Handgelenk-Fackel, 2:0. Dazu ein verwandelter Penalty. Und am Sonntag gegen Köln folgte das dritte Tor. Wieder so ein harter, platzierter Schuss von Jack the Wrister.

Neben Jack Skille haben die Ice Tigers mit Jim O’Brien einen Quasi-Zugang, der am Wochenende seine ersten beiden DEL-Spiele bestritt. Nürnberg geht den Kampf um Platz zehn mit einem Line-up an, das deutlich tiefer besetzt ist als über weite Strecken der Saison.

#3 ADAPT OR DIE

Vor einer Woche habe ich hier über Moneyball geschrieben. Ein sehr prägender Satz aus dem Film ist das „Adapt or die“ von Brad Pitt alias Billy Beane. Anpassen oder abhängen lassen. Die Straubing Tigers machen es in dieser Saison vor, wie es geht. Nichts ist heilig, auch nicht das Erfolgsduo Mike Connolly/Jeremy Williams, das die vergangenen Jahre immer zusammen in einer Reihe spielte, zuletzt aber nicht mehr. Tigers-Coach Tom Pokel versucht kontinuierlich zu adaptieren und optimieren. Das gilt auch für das Powerplay. Jeremy Williams mal am linken Bullykreis, mal oben an der Blauen Linie, zuletzt im Slot. Verschiedene Verteidiger auf dem Eis. Mal Ziegler vor dem Tor, mal Turnbull, mal Heard. Das alles führt auch dazu, dass die Gegner sich schwer auf die Tigers einstellen können. Mit den Adaptionen ist Straubing oft einen Schritt voraus.

#4 ZWISCHEN FLIEGAUFEN UND UMDENKEN

Ich bin ein großer Fan davon, wie Charly Fliegauf in den vergangenen Jahren gearbeitet hat. Das Verb „fliegaufen“ – einen Spieler verpflichten, der die Qualität für die Liga hat, anderswo aber nicht mehr die Rolle bekommt, die er will – hat einen Platz im Eishockey-Lexikon verdient. Aber diese Transferphilosophie birgt natürlich auch die Gefahr, dass man Spieler bekommt, die den besten Teil ihrer Karriere schon hinter sich haben, und deren Hunger auf Titel oder Playoffs möglicherweise schon abgeklungen ist.

Die Verpflichtung von Phil Hungerecker ist deswegen ein gutes Zeichen für die Grizzlys. Sie schaffen es zuletzt auch immer häufiger, talentierte Spieler in ihren 20ern zu holen. Dominik Bittner und Rückkehrer Fabio Pfohl sind zwei weitere gute Beispiele für diese Transfers.

Spielerisch fällt bei den Grizzlys auf, dass sie sehr kontrolliert und genau spielen wollen, Angriffe ohne Hektik aufbauen und zur Not den Zone Exit noch einmal abbrechen, wenn sie von hinten nicht die Passoptionen haben, die sie brauchen. Im Spiel bei den Straubing Tigers hakte es dann vor allem daran, die Angriffe aus der neutralen Zone erfolgreich weiterzuspielen. In Straubing gab es die dritte Niederlage in Folge, bevor die Grizzlys am Sonntag mit 2:1 nach Penaltyschießen gegen die Pinguins Bremerhaven gewannen. Wolfsburg wird wohl bis zum Schluss im Rennen um Platz zehn dabei sein.

#5 SCHIRI-BASHING

Ich bin grundsätzlich kein Freund von Schiri-Bashing und kann auch die übers Wochenende wieder hochgekochte Diskussion, die DEL-Schiedsrichter seien schlecht, nicht verstehen. Die Fehlentscheidungen sind meistens erst nach Zeitlupen zu erkennen und die haben die Schiedsrichter eben nicht. Eishockey ist ein schnelles Spiel, die Entscheidung muss innerhalb von Sekundenbruchteilen gefällt werden. Und es spielen – auch wenn es wahrscheinlich kein Schiedsrichter zugeben wird – noch mehr Faktoren eine Rolle als die bloße Aktion auf dem Eis. Ist die foulende Mannschaft gerade in Unterzahl? Gab es kurz vorher vielleicht eine 50/50-Entscheidung, die nicht gepfiffen wurde? Passt der Call zur Linie?

Vergesst nicht, dass Zuschauer sich mittlerweile fast jedes Foul in der Zeitlupe anschauen können. Das war bis vor wenigen Jahren noch ganz anders, Fehlentscheidungen waren damals weniger plakativ. Am Wochenende sorgte der Check von Victor Svensson gegen Phil Dupuis für viel Aufregung. Das ist natürlich ein Foul, eine Sperre war denke ich aber nicht nötig. Ich bin weiter hin- und hergerissen, ob in solchen Situationen vielleicht eine Challenge sinnvoll wäre. In diesem speziellen Fall hätte eine einzige Zeitlupe gereicht, um das klare Foul zu sehen. Aber was machen wir mit den Graubereichen?

Und noch einmal zu Svenssons Check: Das ist eine Aktion, die der Sport nicht braucht. Er fährt Dupuis, der mit dem Rücken zu ihm steht und ihn nicht sieht, in die Bande und zieht diesen Check voll durch. Das ist kein verantwortungsbewusster Umgang mit dem Gegenspieler.

#6 FINISHING UP

  • Ruhe in Frieden, Sophie Kratzer.
  • Antwort zur Trivia aus der Vorwoche: Der bisherige Karriere-Bestwert von Marcel Noebels stand vor der Saison bei elf Toren in einer Hauptrunde. Aktuell hat er 18 Mal getroffen.
  • Neue Trivia: Für welches Team bestritt Jack Skille die meisten seiner 374 NHL-Spiele? Die Antwort natürlich ohne Google, entweder in die Kommentare oder bei Twitter (@fetzi6).
  • Sieben Siege in Folge bei 30:10 Toren, die Adler Mannheim blasen zum Angriff auf Tabellenführer EHC Red Bull München. Der Abstand beträgt weiter sechs Punkte. Einmal spielen die beiden Mannschaften in der Hauptrunde noch gegeneinander. Am kommenden Freitag gibt’s aber erst einmal das Verfolgerduell zwischen Straubing und Mannheim.  
  • Die Heimserie der Fischtown Pinguins ist zu Ende, nach acht Siegen in Folge verlieren sie mit 4:6 gegen den EHC Red Bull München.  
  • Alex Barta erzielte am Wochenende sein 200. DEL-Tor, John Rogl sein erstes im 121. Spiel.  
  • Vier Assists für Marcel Noebels beim 5:3-Sieg der Eisbären Berlin in Schwenningen, sein zwölftes Multi-Point-Spiel in dieser Saison, elf davon seit dem 17. Spieltag.
  • Hendrik Hane: Fünf Starts, drei Siege, 92,45 % Save-Percentage, Sieg beim Heimdebüt für den gebürtigen Düsseldorfer. Schöne Geschichte.
  • Der Kampf um Platz vier, sechs und zehn wird noch richtig interessant. Aktuell gibt es da fast an jedem Spieltag Positionswechsel. Drei Teams, für die es noch um viel geht, sind Ingolstadt, Wolfsburg und Nürnberg. Die Extrapunkte im Penaltyschießen können noch Gold wert sein. Alle drei Teams haben echte Penalty-Spezialisten: Brandon Buck hat bei fünf seiner sechs Shootout-Versuche getroffen, Kris Foucault bei fünf von sieben, Fabio Pfohl hat alle drei verwandelt – diesen hier gegen Bremerhaven besonders sehenswert.
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Das war’s mit den Finishing 6. Bis nächste Woche. Habe die Ehre.