Finishing 6 – DEL-Spieltage 40 & 41

Ein Eishockeyspiel beginnt mit den Starting 6, den Rückblick von Christoph Fetzer auf das DEL-Wochenende gibt es hier in den Finishing 6. Der Autor ist auch auf Twitter, Instagram und Facebook zu finden.

#1 SPITZENSPIEL-FREITAG

Am Freitag trafen die ersten Vier der Tabelle im direkten Duell aufeinander. Wenn die Spiele zwischen München (1.) und Berlin (4.) sowie Straubing (3.) und Mannheim (2.) ein Vorgeschmack auf die Playoffs waren, können wir uns freuen. Beide Spiele waren ausgeglichen, schnell, hart und spannend. In einer einzigen Partie kann an der Spitze jeder jeden schlagen, mit Berlin und Straubing setzten sich die in der Tabelle schlechter platzierten Mannschaften durch.

Die Adler Mannheim begannen in Straubing sehr dominant, spielten einen harten Forecheck und kontrollierten die Partie im ersten Drittel. Aber die Tigers kamen ab dem zweiten Drittel ebenfalls über ihren konsequenten Forecheck besser in die Partie und drehten sie in wilden 31 Sekunden, in denen drei Tore fielen. Ganz konnte Straubing dem Mannheimer Druck hinten raus aber nicht standhalten. Mit dem zusätzlichen Feldspieler erzielten die Adler den Ausgleich und holten sich zumindest einen Punkt.

Die Eisbären Berlin verloren in München zwar den Special-Teams-Battle, ein Tor kassierten sie in Unterzahl, eines in eigener Überzahl. Dazu unterlief Ryan McKiernan beim zweiten Gegentreffer ein grober individueller Fehler. Trotzdem gewannen die Eisbäreb das Spiel, in der Offensive wieder einmal angeführt durch die beiden Torschützen Marcel Noebels und Maxim Lapierre.  

#2 QUARTETT MIT MEISTERSCHAFTSCHANCEN

Vor der Saison hätte ich gesagt, dass es genau zwei Mannschaften gibt, die eine realistische Chance auf die Meisterschaft haben: München und Mannheim. Aus diesem Duo ist mittlerweile ein Quartett geworden. Straubing wirkt weiter gefestigt, großer Trumpf ist neben den Special Teams die enorme Heimstärke, beides ist bekanntlich in den Playoffs wichtig. Straubing hat zu Hause gegen München und Mannheim drei von vier Spielen gewonnen und in diesen Partien – teilweise phasenweise, teilweise komplett – auf Augenhöhe mitgespielt.

Die Eisbären Berlin sind in den vergangenen Jahren öfter für einen längeren Playoff-Run gut gewesen. Die Mannschaft hat mit diesem Grundgerüst vielleicht noch einmal die Chance auf den Titel. Marcel Noebels ist in der Form seines Lebens und Spieler wie Lukas Reichel, Maxim Lapierre, Ryan McKiernan, Leo Pföderl oder Landon Ferraro geben der Mannschaft im Vergleich zu den vergangenen Jahren noch mehr Qualität. Dazu sollte Louis-Marc Aubry zu den Playoffs wieder dabei sein. Er gibt den Eisbären enorme Tiefe auf der Center-Position.

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Sowohl bei den Straubing Tigers als auch bei den Eisbären Berlin könnte spät in der Saison allerdings die Verteilung der Eiszeit ein Problem werden. Marcel Noebels (20:42/3.), Mike Connolly (20:33/5.) und Maxim Lapierre (20:25/7.) stehen hier bei den Stürmern unter den Top10. Tom Pokel kann zwar auf einen tieferen Kader als in den vergangenen Jahren zählen, aber Schlüsselspieler Connolly muss weiter Minuten schrubben. Serge Aubin ließ zwischendrin oft mit nur drei Reihen spielen. Das kann sich rächen.

#3 PLÄDOYER FÜR DAS UNENTSCHIEDEN

Die Spitzenspiele München – Berlin und Straubing – Mannheim wurden im Penaltyschießen entschieden. Unwürdig. Es ist ja immer wieder von der „Skills Competition“ die Rede. Nur sind diese Skills nicht wirklich zu sehen. Welcher DEL-Spieler weiß beim Penalty ganz genau, was er vorhat und kann spontan aus seiner Bag of Tricks auswählen – je nachdem, was der Torwart macht? Mir fallen aktuell nur Kris Foucault, Brandon Buck und Fabio Pfohl ein. Es sieht im Penaltyschießen oft so aus, als würden sich die Spieler vorher überlegen, was sie machen. Manchmal funktioniert es, manchmal nicht. Und dann ist es halt doch wieder Glück.  

Warum sollen Spiele während der Hauptrunde also nicht einfach Unentschieden enden? Oft kann man sich das, was nach den 60 Minuten passiert, wirklich sparen. Die Drei-gegen-drei-Verlängerung bringt meistens nicht das erhoffte Spektakel, statt schnellen Angriffen herrscht hier mittlerweile auch „Safety first“. Das Spiel wird künstlich in die Länge gezogen und verändert dazu sowohl in Verlängerung als auch im Penaltyschießen seinen Charakter.

Will man tatsächlich nicht vom Penaltyschießen abweichen, weil das Spiel einen Sieger haben muss, wäre mein Vorschlag: Keine Verlängerung, gleich Shootout und dann auch konsequent. Ein Showdown mit einem Schützen pro Team, im K.o.-Modus. Trifft einer und der andere nicht, ist es vorbei. Die Spezialisten dürfen zeigen, was sie können. Man erkennt an, dass es wenig mit dem eigentlichen Spiel zu tun hat und nur dazu dient, einen Sieger zu finden. Und Unterhaltungswert hat es wahrscheinlich auch, T.J. Oshie lässt grüßen.

#4 DOMINOSTEIN PATRICK REIMER

Patrick Reimer hat seinen Vertrag in Nürnberg verlängert. DEL-Rekordtorschütze ist er schon, Rekordscorer kann er noch werden. 1.000 Spiele und 800 Punkte sind möglich. Aber es geht bei dieser Vertragsverlängerung natürlich vor allem um eine Signalwirkung für das Eishockey in Nürnberg. Noch ist nicht endgültig klar, wer das Team ab 2020/21 finanziert und in welcher Form. Aber wir gehen in die Phase, in der Spielerverträge für die neue Saison aufgesetzt oder unterschrieben werden. Reimer ist Kapitän der Ice Tigers und DIE Identifikationsfigur des Nürnberger Eishockeys. Ich schätze seinen Wert so hoch ein, dass seine Entscheidung einem großen, fallenden Dominostein gleichkommt.

Wer mehr zu Reimer lesen will, ist bei Sebastian Böhm wie immer an der richtigen Adresse.

https://www.instagram.com/p/B7yNQuvCrhA/?igshid=egy6d75ihyqf

#5 SCHIRI-BASHING, AGAIN

Ja, das war natürlich ein Foul von Mathis Olimb an Daniel Weiß. Ja, Frank Mauers Penalty gegen Berlin hätte wiederholt werden müssen. Svensson vs. Dupuis hatten wir schon vergangene Woche, aus der jüngeren Vergangenheit fällt mir auch noch das nicht gegebene Tor der Augsburger Panther gegen die Adler Mannheim ein. Alles Fehlentscheidungen. Lars Brüggemann, Leiter des Schiedsrichterwesens der DEL, räumte das im Fall Iserlohn Roosters – Grizzlys Wolfsburg sogar öffentlich ein.

Ich verstehe, dass man sich als Fan oft denkt „Wie kann man das nicht sehen?“ und als Kommentator denke ich mir das manchmal auch – vor allem, Achtung, nachdem ich mir in aller Ruhe die Zeitlupe angeschaut habe.

Welche Lösungen haben die „Skandal!“-Schreier? Noch mehr Profischiedsrichter? Schiedsrichter aus anderen Ligen? Ausweitung des Videobeweises? Sinnvollster Ansatz bleibt weiterhin, Fehler intern anzusprechen, sie zu analysieren, zu coachen. So wie es Lars Brüggemann macht. Wenn er nach Außen ab und zu kommuniziert, dass etwas schiefgelaufen ist, hilft das glaube ich eher als dass es schadet.

Was nicht hilft, ist eine Hexenjagd und ein An-die-Wand-nageln von bestimmten Refs. Denn das verfolgen auch die, die sich überlegen, vielleicht einmal Schiedsrichter zu werden, sicher ganz genau.

#6 FINISHING UP

  • Antwort zur Trivia aus der Vorwoche: Jack Skille bestritt die meisten seiner NH-Spiele für die Florida Panthers (99 von 374).
  • Neue Trivia: Wer ist der Stürmer mit der meisten Eiszeit pro Spiel? Die Antwort natürlich ohne Google, entweder in die Kommentare oder bei Twitter (@fetzi6).
  • Zu den Krefeld Pinguinen hier keine Wasserstandsmeldungen. Ich blicke schon lange nicht mehr durch. Und vor allem: Man weiß schon lange nicht mehr, wem man wie viel glauben kann.
  • Der EHC Red Bull München holte am Wochenende nur einen Punkt, die Adler Mannheim sind bis auf drei Zähler dran. Ein direktes Duell gibt es noch. Alles ist möglich. Das sollte für uns alle ein Reminder sein, dass die Tabelle in verschiedenen Saisonphasen eben nur eine Momentaufnahme ist.
  • Die Kölner Haie sind mittlerweile bei der historischen Negativserie von zehn Niederlagen in Folge angekommen. Zwölf Spiele ohne Powerplay-Tor (0/48). Da fehlen einem schon ein bisschen die Worte.  
  • Konstanz ist das Zauberwort. Die fehlt den meisten Teams. Nach einem guten Lauf mit vier Siegen in Serie hat der ERC Ingolstadt dreimal hintereinander mit 1:4 verloren, zweimal davon gegen die Krefeld Pinguine. Vier Siege, dann drei Niederlagen, das gilt auch für die Iserlohn Roosters, Mini-Hoch vorbei. Dafür haben Nürnberg (vier Siege), Berlin und Wolfsburg (je drei Siege) jetzt Serien gestartet.
  • 1, 2, 0, 0, 2, 1, 0 – die Torausbeute von Brett Festerling vor dieser Saison. Beim 4:1 gegen den ERC Ingolstadt traf er zum ersten Mal seit 29. Oktober 2017.
  • Drei Powerplay-Tore gegen den EHC Red Bull München, kein Gegentor bei Even Strength zugelassen. Nicht so schlecht, Grizzlys Wolfsburg. Nicht so schlecht.
  • Die Stats von Oli Roy seit seiner Rückkehr nach Verletzungspause: Zehn Starts, sechs Siege, 94,26 % Save-Percentage, 1.90 Gegentorschnitt, zwei Shutouts.

Das war’s mit den Finishing 6. Bis nächste Woche. Habe die Ehre.