Finishing 6 – DEL-Spieltage 44 & 45

Ein Eishockeyspiel beginnt mit den Starting 6, den Rückblick von Christoph Fetzer auf das DEL-Wochenende gibt es hier in den Finishing 6. Der Autor ist auch auf Twitter, Instagram und Facebook zu finden.

#1 BISSL HOCKEY ROUND TABLE

Ab sofort gibt es nicht nur hier am Anfang der Woche den Rückblick aufs DEL-Wochenende, auch am Donnerstag erscheint ein regelmäßiges Format: Der #bisslHockey Round Table mit den Kollegen Sebastian Böhm, Bernd Schwickerath und mir. Wir reden eine halbe Stunde über ein bis zwei Schwerpunktthemen im Eishockey. Abonniert den Kanal, seid live dabei oder schaut Euch die Sendungen im Re-live an. Diese Woche geht es um das Spitzenspiel Mannheim – München am Dienstagabend.

#2 WOLFSBURGER AUFHOLJAGD

Vor ein paar Wochen war nicht einmal klar, ob die Grizzlys Wolfsburg unter die ersten Zehn kommen. Nach sechs Siegen aus sieben Spielen ist die Mannschaft von Trainer Pat Cortina jetzt Tabellensiebter und hat auch noch eine realistische Chance auf die direkte Qualifikation für das Playoff-Viertelfinale. Besonders beeindruckend: Drei der sechs Siege gab es gegen die Top3 der Tabellen München (5:1), Mannheim (4:2) und Straubing (4:1). Jakob Schröder von der Wolfsburger Allgemeinen Zeitung erklärt den Aufschwung:

Da greifen alle Rädchen ineinander, das ist ganz spannend zu sehen. Die Grizzlys haben gerade gegen München und Mannheim Abstand davon genommen, im Spielaufbau immer wieder abzudrehen. Stattdessen haben sie die Scheibe wenn nötig einfach über die Bande rausgeflippt. Das war eine gute Anpassung. In der Offensive ist die Reihe Fauser/Pfohl/Rech bis zu Fausers Ausfall sehr stark. Und was ganz deutlich war: Wirklich alle laufen und gehen mit Volldampf in die Zweikämpfe. Zuletzt war Wolfsburg nicht immer besser als der Gegner, hat aber eine Lösung gefunden, das Spiel trotzdem zu gewinnen. Mal ist es das Penaltykilling, mal der starke Felix Brückmann. Gegen Straubing war es die irre Effizienz.

Jakob Schröder (Wolfsburger Allgemeine Zeitung) über den Lauf der Grizzlys Wolfsburg

#3 WILD, WILDER, INGOLSTADT

Wer Unterhaltung sucht, sollte Spiele des ERC Ingolstadt schauen. 284 Tore sind in Partien mit Beteiligung der Schanzer gefallen, die meisten ligaweit. Zum Vergleich: In Spielen der Düsseldorfer EG waren es nur 211 Tore. Der ERC Ingolstadt kann mit seinem schnellen Umschaltspiel jedem Gegner wehtun. Mit Wayne Simpson hat das Team einen der besten Stürmer der Liga in seinen Reihen, mit Kris Foucault einen der spektakulärsten Spieler, mit Maury Edwards den besten Offensivverteidiger. Aber so sehr sich die Ingolstädter auf ihre Offensive verlassen können, so oft reißen sie mit defensiven Unzulänglichkeiten alles wieder ein. Das Spiel und vor allem die Schlussphase in der Partie bei den Straubing Tigers war der ERC Ingolstadt in a nutshell.  

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#4 „SCORNA“ RENDULIC

13 Spiele in Serie hat Mannheims Borna Rendulic gescort, fünf Spiele in Folge ein Tor erzielt. Er ist bester Torschütze und zweitbester Scorer der Liga. Der Kroate war mit vielen Vorschusslorbeeren zu den Adlern erfüllen, er sei ein Power Forward mit einem Wahnsinnsschuss hieß es. Nach leichten Anlaufschwierigkeiten weist er das mittlerweile auch Wochenende für Wochenende nach.  

Rendulic ist ein Torjäger, der den freien Raum auf dem Eis findet und nicht lange fackelt, wenn er in guter Schussposition ist. 17 seiner 25 Tore erzielte er entweder mit einem Onetimer (zwölf) oder mit der zweiten Scheibenberührung (fünf). Er ist aber kein eindimensionaler Torjäger. Auch mit der Scheibe am Schläger und aus dem Lauf heraus hat er in dieser Saison schon sechsmal getroffen (den einen Empty Netter und den einen entscheidenden Penalty im Shootout nicht mitgerechnet).

Borna Rendulic ist auch verantwortlich dafür, dass das Fehlen von Markus Eisenschmid – in der vergangenen Saison bester Torschütze der Liga in Überzahl – momentan gar nicht groß auffällt. Wahrscheinlich hilft es Rendulic sogar, dass er jetzt in Überzahl die Position am linken Bullykreis besetzen darf. Am Freitag beim 5:1 gegen Nürnberg und am Sonntag beim 3:4 nach Verlängerung in Berlin erzielte er je eines seiner beiden Tore im Powerplay. Als Eisenschmid und noch fit war, spielten er und Rendulic oft zusammen in Überzahl, Rendulic aber auf der rechten Seite. Dort konnte er seinen Schuss noch nicht optimal einsetzen, jetzt funktioniert das.

#5 NIEDERBERGER IN EINER ANDEREN LIGA

Es ist immer schwer, in einer Teamsportart individuelle Leistungen zu bewerten. Klar, es gibt auch im Eishockey Statistiken, die helfen können. Aber ein Stürmer ist mehr als die Summe seiner Tore und Assists und ein Verteidiger mehr als seine Plus/Minus-Statistik.

Trotzdem gibt es im Eishockey Statistiken, die helfen, die Leistung eines Spielers zu beurteilen. @le_affan hat sein umfangreiches Statistik-Angebot für die Torhüter mit einer weiteren Kategorie ergänzt: Goals Saved Above Average (GSAA). Die Statistik zeigt, wie viel besser oder schlechter ein Torwart im Vergleich zur durchschnittlichen Save-Percentage ist. Wenig überraschend sticht Mathias Niederberger von der Düsseldorfer EG heraus. Hätte die DEG in dieser Saison die durchschnittliche Save-Percentage der DEL bekommen, hätte sie 31 Gegentore mehr kassiert als mit Niederberger. Beim nächstbesten Torwart  – Olivier Roy von den Augsburger Panthern – wären es 17 Gegentore. Anders ausgedrückt: Niederberger spielt nicht nur gefühlt, sondern auch zahlenmäßig in dieser Saison in einer anderen Liga. Ganz nebenbei bekommt Niederberger auch kaum Pausen. Seine 39 Starts übertreffen nur Niklas Treutle und Dustin Strahlmeier (40).

RangSpielerGoals Saved
Above Average
1Mathias Niederberger (Düsseldorfer EG)31,02
2Olivier Roy (Augsburger Panther)17,10
3Andreas Jenike (Iserlohn Roosters)16,14

Der Vorteil von GSAA im Vergleich zur klassischen Save-Percentage: Der Wert drückt die Leistung eines Torhüters in absoluten Zahlen aus, also „Um wie viele Gegentore besser oder schlechter ist Team xy mit diesem Torwart?“. Dabei werden auch die Anzahl der Schüsse, die eine Mannschaft zulässt, mit eingerechnet.

#6 FINISHING UP

  • Antwort zur Trivia vom letzten Mal: Daniel Pietta von den Krefeld Pinguinen ist der Stürmer mit der meisten Eiszeit pro Spiel.
  • Neue Trivia: Mathias Niederberger führt die DEL mit fünf Shutouts an. Nennt mir drei andere Torhüter mit mindestens drei Shutouts. Die Antwort natürlich ohne Google, entweder in die Kommentare oder bei Twitter (@fetzi6).
  • 15 Niederlagen in Folge für die Kölner Haie. Trotzdem halte ich es für die richtige Entscheidung, an Trainer Mike Stewart festzuhalten. Am Kader muss sich einiges ändern. Es fehlt an Charakter und auch an Tempo.
  • Der EHC Red Bull München hat sich bereits jetzt das Heimrecht für das Playoff-Viertelfinale gesichert.
  • Die Straubing Tigers haben ihren Punkterekord aus der vergangenen Saison erneut verbessert.
  • Die Eisbären Berlin haben seit Ende Januar sowohl Spitzenreiter München als auch den Tabellenzweiten Mannheim geschlagen, gegen den Dritten Straubing gab es eine knappe Niederlage. Die Playoffs können kommen.
  • Die Siegtore von Maury Edwards gegen die Düsseldorfer EG und von Fabio Pfohl gegen die Augsburger Panther wurden jeweils per Videobeweis überprüft. Dass ihnen jeweils ein Foul vorausgegangen war, müsste den Schiedsrichtern dabei aufgefallen sein. Aber sie dürfen es ja nicht nachträglich ahnden.
  • Sieg gegen Köln, lange gut mitgehalten in Nürnberg – Hut ab, wie sich die Schwenninger Wild Wings am Wochenende mit dem durch Abgänge dezimierten Kader reingehauen haben.
  • 100. Powerplay-Tor von Patrick Reimer, mehr hat in der DEL-Geschichte nur Michael Wolf (128).  
  • Tomas Pöpperle und Andreas Thuresson feierten nach über zwei Monaten Verletzungspause ihre Comebacks.

Das war’s mit den Finishing 6. Bis nächste Woche. Habe die Ehre.