Finishing 6 – DEL-Spieltage 7, 8 & 9

Ein Eishockeyspiel beginnt mit den Starting 6, den Rückblick auf das DEL-Wochenende gibt es hier in den Finishing 6.

#1 27 VON 27: STARTREKORD FÜR MÜNCHEN

Der EHC Red Bull München ist die (keine Wiesn-Wortspiele!) das Maß aller Dinge in der DEL. Neun Spiele, neun Siege – das schafften zum Auftakt zuvor nur die Thomas Sabo Ice Tigers 2013. Die volle Ausbeute von 27 Punkten, die die Münchner geholt haben, sind sogar alleiniger Rekord, alle neun Spiele gewannen sie nach 60 Minuten. Die Red Bulls haben die beste Offensive (36 Tore), die beste Defensive (15 Gegentore) und gute Special Teams. Das Penaltykilling ist gewohnt gut, das Powerplay deutlich stärker als in der Vorsaison. Ich habe vor zwei Wochen schon darüber geschrieben, was das Münchner Überzahlspiel so besonders macht. Es ist weiter verwunderlich, wie viele Tore im Powerplay durch Tap-ins aus ganz kurzer Distanz fallen. Mit dafür verantwortlich: Chris Bourque mit seinen Laserpässen auf die Tapes der Mitspieler. Bourque ist mit vier Toren und acht Assists Münchner Topscorer, er hat in sechs Spielen in Folge gepunktet. Besonders bemerkenswert: Alle acht Assists sind direkte Pässe zu Toren gewesen, das ist DEL-Bestwert. Hier eine Kostprobe seines Könnens (Stichworte Laserpass und Tap-in).

#2 DIE LIGA SORTIERT SICH

Spitzenreiter EHC Red Bull München mit neun Siegen in Folge, der Tabellenzweite Adler Mannheim jetzt auch schon wieder mit fünf Siege aus sechs Spielen, der Tabellenvierte Düsseldorfer EG nach dem Null-Punkte-Wochenende zum Auftakt mit satten sieben Siegen in Serie – drei Mannschaften, die auch da vorne zu erwarten waren, stehen unter den Top 4.

Positive Überraschung sind weiter die Straubing Tigers auf dem dritten Tabellenplatz, sie haben wie die Düsseldorfer EG sehr gute Special Teams, vor allem das Penaltykilling der Niederbayern ist im Vergleich zur Vorsaison stark verbessert. Auch die Fischtown Pinguins Bremerhaven auf dem fünften Platz sind gut in die Saison gekommen. Vier der fünf Niederlagen gab es nach Verlängerung oder Penaltyschießen, mit ein bisschen Glück wären sogar noch mehr Punkte drin gewesen.

Die Eisbären Berlin und der ERC Ingolstadt haben sich wieder gefangen und stehen im Mittelfeld der Tabelle. Die Enttäuschung der Saison sind bisher die Kölner Haie als Tabellenvorletzter, zuletzt gab es vier Niederlagen in Folge. Mike Stewart hat sich den Start sicher anders vorgestellt.

#3 AUS DEN BIRKEN UND VOGL: ZWEI BESONDERE SHUTOUTS

Thomas Pöpperle hat bereits zwei Shutouts, dahinter folgen mit Danny aus den Birken, Sebastian Vogl, Niklas Treutle, Mathias Niederberger und Felix Brückmann fünf (gebürtige) deutsche Torhüter, die ebenfalls schon zu Null gespielt haben. Für aus den Birken war der Shutout beim 3:0-Auswärtssieg gegen die Kölner Haie der 46. in seiner Karriere. Das ist neuer DEL-Rekord, der Torwart des EHC Red Bull München löste Ian Gordon ab, der im Trikot der Schwenninger Wild Wings, der Frankfurt Lions und des ERC Ingolstadt 45 Shutouts verbuchen konnte. Aus den Birken hat mit einem Gegentorschnitt von 1,33 und einer Fangquote von 95,05 % derzeit überragende Statistiken.

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Sebastian Vogl ist von diesem Rekord noch weit entfernt, beim 5:0-Heimsieg gegen die Schwenninger Wild Wings feierte der Torwart der Straubing Tigers seinen 17. Karriere-Shutout. Und doch war es ein ganz besonderer, denn es war Vogls erster seit 18. Dezember 2016. Damals spielte er noch für die Grizzlys Wolfsburg. Zuletzt bekam Vogl kaum mehr Einsätze, in Straubing ist er eigentlich Back-up von Jeff Zatkoff. Doch der verletzte sich, Vogl war zur Stelle und wirkte nach dem Shuout gegen Schwenningen erleichtert. „Ich habe jetzt meine innere Ruhe gefunden, das macht die Sache einfacher“, sagte Vogl bei uns im Magenta-Sport-Interview.

#4 WAS STRAUBING RICHTIG MACHT

Sebastian Vogl sprach nach der Partie gegen Schwenningen auch von der „Herzensangelenheit“ Penaltykilling. Und tatsächlich spielten die Straubing Tigers, mit einer Quote von 91,3 % das beste Unterzahl-Team der Liga, gegen die Schwenninger Wild Wings mit viel Herz. Sie blockten 19 Schüsse, besonders auffällig waren die vier Blocks von Sena Acolatse. Der Strafbankkönig der Vorsaison (173 Strafminuten) konzentriert sich aktuell auf solide Defensivarbeit und vermeidet unnötige Strafen. Mit Chase Balisy, Tim Brunnhuber und Benedikt Kohl hat man im Vergleich zur Vorsaison auch drei Spieler neu im Line-up, die defensiv sehr verlässlich sind.

Die Straubing Tigers arbeiten also viel für den Erfolg, aber auch spielerisch haben sie sich noch einmal verbessert. Nicht nur das Powerplay ist gefährlich, auch im Fünf-gegen-fünf können die Tigers gegen fast jeden Gegner dominant spielen. Bei allen Schussstatistiken sind sie vorne dabei. Der PDO-Wert (Schussquote plus Fangquote) ist nur knapp über 100, mit Glück hat der Straubinger Höhenflug also wenig zu tun. Die Zahlen lassen vermuten, dass die Straubing Tigers nicht nur vorübergehend im vorderen Drittel stehen. Allerdings kommen die Reifeprüfungen jetzt erst noch. In den nächsten fünf Spielen geht es zweimal gegen Mannheim und einmal gegen München.

#5 ISERLOHN ROOSTERS VS. ADVANCED ANALYTICS 1:0

@le_affan sei Dank können wir bei den Statistiken mittlerweile richtig in die Tiefe gehen. Der Erfolg der Straubing Tigers lässt sich mit Zahlen erklären, der der Iserlohn Roosters … nicht so wirklich. Nach schwachem Start haben sich die Sauerländer mittlerweile auf den siebten Platz nach vorne geschoben. Nach viel Ladehemmung in den ersten Partien platzte zuletzt beim 5:3 gegen die Augsburger Panther auch in der Offensive der Knoten. Allerdings liegen die Roosters sowohl in der Addition der Special-Teams-Quoten, der Tordifferenz in den Special Teams und bei allen Schussstatistiken auf dem letzten Platz.

Der jüngste Aufwärtstrend ist wohl mit Toren zur richtigen Zeit und vor allem Saves zur richtigen Zeit zu erklären. Nur Danny aus den Birken hat eine bessere Fangquote als Roosters-Goalie Anthony Peters (94,68 %). Bei der Save-Percentage bei Schüssen aus dem Slot ist Peters sogar die Nummer eins unter allen Stammtorhütern (91,58 %).

#6 FINISHING UP

  • Markus Eisenschmid ist nach viermonatiger Verletzungspause wieder zurück, in seinen ersten beiden Spielen gelangen ihm gleich ein Tor und zwei Assists.
  • Die Siegesserie der Düsseldorfer EG hat auch damit zu tun, dass mehr als eine Sturmreihe torgefährlich ist. Ken Andre Olimb (vier Tore, drei Assists) harmoniert gut mit den Zugängen Chad Nehring (drei Tore, vier Assists) und Luke Adam (zwei Tore, drei Assists).
  • Mit Colin Ugbekile hat der nächste U23-Spieler sein erstes DEL-Tor erzielt, er traf beim 3:4 nach Verlängerung gegen die Fischtown Pinguins.
  • Ich halte Ryan McKiernan für einen der besseren Offensiv-Verteidiger der Liga. Am vergangenen Wochenende zeigte er das auch. Zum 5:2 der Eisbären Berlin gegen die Straubing Tigers steuerte er ein Tor und ein Assist bei, McKiernan gab fünf Torschüsse ab.
  • Seit Jussi Rynnäs mit einer Gehirnerschütterung ausfällt, haben die Krefeld Pinguine alle fünf Spiele verloren.
  • Bei den Niederlagen gegen München und Nürnberg kam Schwenningens Back-up llya Sharipov zu seinen ersten beiden Starteinsätzen in der DEL.
  • Nach dem neuen Mitglied im 1.000er-Club Sebastian Furchner bestritt Patrick Reimer gegen die Krefeld Pinguine sein 900. DEL-Spiel und ist der 16. Spieler, der diese Marke knackt.

Das war’s mit den Finishing 6. Bis nächste Woche. Habe die Ehre.