Gastbeitrag: NHL 2019/20 In-Season Awards

Christoph und Tom hatten in der Sendung vom 22.12. um Feedback für die Nominierungen ihrer In-Season Awards in der Deutschen Eishockey Liga und der National Hockey League gebeten. Naturgemäß habe ich mich dabei auf die NHL konzentriert. Viel Spaß beim Lesen.
(FYI – Lars hatte uns diesen Beitrag vor ca. einer Woche zukommen lassen, daher stimmen die Statistiken hier und da vielleicht nicht.)

Calder Trophy – Rookie of the year

Nominierung Tom: Cale Makar

Zu Saisonbeginn sah es so aus, als würde Cale Makar sich in seiner ersten regulären Saison direkt eine Nominierung für die Norris Trophy erarbeiten, und dabei die Calder Trophy im Vorbeigehen mitnehmen. Doch Quinn Hughes und eine Verletzung von Makar haben das Rennen geöffnet. Mittlerweile hat sich mit Victor Olofsson noch ein Dritter Spieler positioniert. Mit 24 ist der Schwede zumindest erfahrener als Makar (21) und Hughes (20). Gute Leistungen von jungen Verteidigern sind für mich zudem höher einzuschätzen als von Stürmern. Deshalb sehe ich immer noch eher eine Zwei- als einen Dreikampf. Da sehe ich Makar vorne, weil er nicht nur den höheren Punkteschnitt hat (0,89, Hughes 0,70), sondern auch, weil er mehr Punkte bei 5gg5 geholt hat. Sollte der Verteidiger von Colorado aber noch mehr Spiele verpassen, dann wäre Hughes für mich ein absolut würdiger Neuling des Jahres.

Meine Nominierung: Cale Makar

Vezina Trophy – League‘s Top goaltender

Nominierung Tom: Darcy Kuemper

Tom hat mit Darcy Kuemper schon den aktuell besten Torhüter nominiert. Mit einem Gegentorschnitt von 2,17 und einer Fangquote von 92,9 % ist Kuemper jeweils in den Top 5 bei diesen klassischen Statistiken zu finden. Daneben ist er mit 15,1 Goals Saved Above Average bei einer Advanced Stat bester Keeper der NHL. Ben Bishop und Connor Hellebuyck wären für mich auch zwei weitere Kandidaten auf den Titel als bester Torhüter dieser Saison. Wobei es in diesem Jahr erneut extrem schwierig ist, einen Torhüter zu finden, der aus  dem Pulk an exzellenten Goalies herausragt. Robin Lehner liefert in Chicago – mit Ausnahme des Gegentorschnitts – hinter einer schlechteren Defensive ähnlich gute Zahlen, wie letzte Saison bei den Islanders. Das Duo seines alten Vereins, Thomas Greiss und Samyon Varlamov ist erneut extrem gut und extrem ausgeglichen. Wie viel Wertschätzung erfährt Tuuku Rask, beim immerhin besten Team der Atlantic Division?

Meine Nominierung: Darcy Kuemper

League’s Top Forward

Nominierung Tom: Nathan MacKinnon

Bei meinen Kandidaten auf den MVP (s.u.) habe ich meine Argumente zu Nathan MacKinnon, Artemi Panarin und Jack Eichel bereits aufgeführt. Deshalb ergänze ich an dieser Stelle noch einige Spieler, die zwar sehr gute Stürmer sind, aber (aktuell) nicht für die Hart Memorial in Frage kommen. David Pastrnak ist der Spieler mit den meisten Toren, profitiert dabei aber natürlich von der vielleicht besten Reihe mit Brad Marchand und Patrice Bergeron. Auston Matthews liegt aktuell auf Platz zwei im Rennen um die Rocket Richard Trophy ist der Stürmer der Liga mit den meisten Toren bei gleicher Spielerzahl. Leon Draisaitl wäre ohne Connor MacDavid gut, aber vermutlich nicht auf dem Weg zur Art Ross Trophy. MacDavid ist unbestritten der beste Spieler der NHL, hat aber selbst in Kombination mit Draisaitl nicht genügend Unterstützung, um die Oilers garantiert in die Playoffs zu führen. Patrick Kane hat im Vorjahr fast unauffällig 110 Punkte aufgelegt, und ist auch in dieser Spielzeit wieder auf Kurs eine dreistellige Ausbeute zu erzielen. Alex Ovechkin ist mittlerweile 34, was ihn nicht daran hindert auch in seiner dreizehnten Saison für 50 Tore

Meine Nominierung: Nathan MacKinnon

Hart Memorial Trophy – Most Valuable Player

Vorweg ein paar Worte zum Thema MVP. Für mich darf der MVP kein Torhüter sein. Diese Position ist im Eishockey so essentiell wichtig, dass im Grunde in jedem Jahr ein Goalie als wertvollster Spieler ausgezeichnet werden müsste. Seit 1922 wurde die Hart Memorial Trophy aber nur an acht Torhüter verliehen. Das heißt für mich, auch die Mitglieder der Professional Hockey Writers’ Association (PHWA) sehen das somit ähnlich. Nur wenn ein Torhüter wirklich extrem herausragt, wird er als MVP ausgezeichnet. Ansonsten gibt es die Vezina Trophy. Nach dieser Einleitung, weiter im Text.

Nominierung Tom: Frederik Andersen

So richtig ernst nehmen, kann ich Nominierung von Frederik Andersen als MVP nicht. Wertvollster Spieler der Maple Leafs, ok, da gehe ich bisher mit. Aber MVP der Liga? Ich picke mir mal zwei Statistiken heraus, die zeigen, warum Andersen für mich sogar im Moment kein Kandidat für die Vezina Trophy ist. Bei den „High Danger Scoring Chances“ belegt der Däne mit 84,2 % Platz 22 in der Liga, u.a. hinter Hellebuyck, Rask, Rinne, Binnington, Bishop und Gibson. Bei der Fangquote im Vergleich zum Durchschnitt – Goals Saved Above Average – ist Andersen mit +6,84 immerhin auf Rang 14, aber wieder hinter Hellebuyck, Rask und Kuemper. Wenn Torhüter als Kandidaten für den MVP genannt werden müssten, dann wären das in meinen Augen eher Kuemper  und Hellebuyck.

Meine Nominierung: Nathan MacKinnon.

Tom hat beim besten Stürmer der Liga bereits alle Argumente für MacKinnon genannt. Wer bei Glatteis reingehört hat der weiß, dass ich MacKinnon schon 2017/18 als MVP gesehen habe. Seit Anfang der Spielzeit vor zwei Jahren hat sich der Stürmer der Colorado Avalanche zu einem echten Gamechanger entwickelt. MacKinnon ist einer der wenigen Spieler der Liga, der mit einer Aktion ein Spiel drehen und entscheiden kann.

Weitere Kandidaten:

Artemi Panarin: Der Russe kommt einem durchschnittlichen Oktober (10 Punkte in 10 Spielen) immer besser in Fahrt. Aktuell liegt er bei 61 Punkten in 43 Partien. Schafft er es direkt im ersten Jahr im Big Apple die Blueshirts in die Playoffs zu führen, fallen garantiert ein paar Stimmen bei der Wahl zum MVP für Panarin ab.

Jack Eichel: Gleiches gilt für den nächsten möglichen MVP. Jack Eichel hat mit herausragenden Leistungen einen ähnlich tiefen Absurz der Buffalo Sabres wie im Vorjahr, zumindest vorläufig verhindert. 58 Punkte in 44 Spielen sind ebenfalls sehr gute Zahlen.

Andere Kandidaten wie Marchand, Pastrnak, Draisaitl oder McDavid haben das “Problem” einen sehr guten Mitspieler zu haben, so dass der Wert für das Team nicht so bedeutend ist, wie bei den genannten Kandidaten. 

Most Improved Player

Nominierung Tom: Anthony Duclair

Wie Tom im Podcast erwähnte, hat John Tortorella noch vor ein paar Monaten Anthony Duclair die Qualität für die NHL abgesprochen. Vor ein paar Wochen wurde Duclair ins All Star-Team berufen. 21 Saisontore sind bereits Karrierebestleistung. Bei 32 Punkten in 43 Spielen sollte außerdem am Ende der Saison auch der Bestwert in einer weiteren Kategorie fallen. Duclair ist im Sommer Restricted Free Agent und nutzt die Spielzeit in Ottawa bestens um sich für eine Vertragsverlängerung oder externe Interessenten zu empfehlen.

Weitere Kandidaten:

Hier gibt es einige Spieler, die für diese neue Trophäe in Frage kämen.

Bryan Rust hat für die Penguins bisher nur 29 Partien auf dem Eis gestanden. Doch mit 17 Toren hat der 27-jährige seinen Karrierebestwert aus dem Vorjahr (18 Tore in 72 (!) Spiele) fast eingestellt. Bei den Punkten ist er mit 37 Zählern bereits jetzt so gut, wie in der kompletten Saison 2018/19.

Jakub Vrana gelangen letzte Saison 24 Tore und 47 Punkte. Hochgerechnet würde sein aktueller Punkteschnitt 35 Treffer und 66 Punkte ergeben. Vor allem der November – 14 Spiele/8Tore/14Punkte – war für den Tschechen sehr erfolgreich. Vrana ist einer der Gründe, warum die Capitals bisher das beste Team der Liga sind.

In vier Spielzeiten bei den Bruins schaffte Noel Acciari nie mehr als 14 Punkte. Nach eine halben Jahr in Florida hat er bereits 17 Tore erzielt.

Bereits 30 Jahre alt, aber nie mehr als 24 Punkte pro Saison gesammelt, liegt Matt Calvert aktuell bei 11 Toren (Karriepeak 13 Treffer) und 23 Punkten in 38 Spielen.

Tom hat mit Duclair bereits den besten Kandidaten aus dem Pulk an Spielern ausgewählt. Dennoch möchte ich an dieser Stelle selbst eine etwas exotische Wahl Treffen.

Meine Nominierung: David Perron

Perron ist noch ein Jahr älter als Matt Calvert, hatte nie mehr als 66 Punkte und 28 Tore in 12 Jahren NHL bei fünf unterschiedlichen Teams. Aktuell führt er beim Titelverteidiger das Scoring an, und ist auf Kurs 35 Tore und 82 Punkte in 82 Spielen.

Norris Trophy – Best offensive defenseman

Nominierung Tom: John Carlson

Der letzte Verteidiger mit mehr als 90 Punkten in einer Saison war 1993/94 Ray Bourque mit 91. John Carlson könnte in dieser Saison nicht nur die 90, sondern eventuell sogar die 100 Punkte knacken. Speziell der Oktober mit Zählern in 14 Partien war überragend. Die Leistung von Carlson ging in den letzten Jahren gegenüber anderen Verteidigern etwas unter. In diesem Jahr wird er bei normalem Verlauf die Norris Trophy gewinnen.

Roman Josi spielt in Nashville auch eine sehr Saison, aber das Team ist in einer kleinen Krise. Auch die üblichen Verdächtigen wie Victor Hedman, Erik Karlsson oder Brent Burns sind 2019/20 nicht so gut, wie noch in den Vorjahren. Dougie Hamilton wurde von Tom noch erwähnt und ist sicher in den Top3 zu sehen, aber dennoch kann Carlson kein anderer Verteidger gefährlich werden.

Meine Nominierung: John Carlson

Bester defensiver Verteidiger

Nominierung Tom: Dougie Hamilton

Leider gibt es diesen Award in der NHL nicht, aber die Idee finde ich auf jeden Fall großartig. Tom hat mit Dougie Hamilton dann auch einen richtig guten Spieler dieser Kategorie genannt. Allerdings tue ich mir schwer, die richtigen Kriterien für diese Auszeichnung zu definieren. Wenn Statistiken wie Corsi-for oder Shot-for zugrunde gelegt werden, und dabei die Leistung der Mannschaft insgesamt (Sorry LA) zugrunde gelegt wird, dann sind Spieler wie Torey Krug, Shae Theodore, oder auch Josi berücksichtigt werden. Und in Dallas basiert die mit Abstand beste Defensive der Liga (2,34 Gegentore pro Spiel) nicht nur auf den Leistungen von Bishop und Khudobin. Miro Heiskanan (20 auch erst 20!!!), Esa Lindell und John Klingberg sind vielleicht die am meisten unterschätzten Top 3-Verteidiger alles Teams.

Meine Nominierung: Dougie Hamilton

Jack Adams Trophy – Bester Trainer

Nominierung Tom: Paul Maurice

Zehn unterschiedliche Verteidiger setzten die Winnipeg Jets in dieser Saison bisher ein. Keiner davon hieß Dustin Byfuglien. Ohne “Big Buff” und den nach New York abgegebenen Jacob Trouba mussten die Jets bisher so namhafte Spieler wie Carl Dahlstrom, Anthony Betetto oder Nathan Beaulieu einsetzen. Sicher profitierte die Mannschaft von Connor Hellebuyck, aber vor allem Paul Maurice leistete bisher sehr gute Arbeit. Der Umbau von Patrick Laine vom verteidigungslosen Sniper zum teamorientierten Allrounder ist sicher auch ein Verdienst von Maurice. Zwar halten sich Gerüchte über einen Wechsel von Paul Maurice nach dieser Saison zur neuen Franchise in Seattle hartnäckig, aber aktuell sollte die Jets sich bemühen ihren Übungsleiter länger unter Vertrag zu halten.

Weitere Kandidaten

Nach dem Abgang von Matt Duchene, Panarin Bobrovsky und weiteren Spielern konnte nicht erwartet werden, dass die Blue Jackets in dieser Saison eine realistische Change auf die Playoffs haben würden. Doch obwohl durch Verletzungen nur vier Spieler alle bisherigen Partien absolvieren konnten, hat John Tortorella seine Mannschaft nach durchwachsenem Start fast auf einen Wild Card-Platz geführt.

Im Sommer wurde von vielen Experten erwartet, dass die Islanders die Leistung aus der letzten Spielzeit nicht wiederholen können. Barry Trotz hat sein Team aber fast noch besser eingestellt. Wie hoch sind die Leistungen von Rick Tochet oder Dave Tippett mit Arizona und Edmonton in der Pacific Division einzuschätzen?

Meine Nominierung: John Tortorella (damit ich nicht zu häufig mit Tom einer Meinung bin)

NHL General Manager of the Year Award

Nominierung Tom: John Chayka

Mit nur 26 Jahren übernahm John Chayka 2016 den Job als GM in Arizona. Zu Eigengewächsen wie Clayton Keller oder Oliver Ekman-Larsson hat Chayka im Sommer Phil Kessel und im Dezember Taylor in die Wüste geholt. Die Coyotes sind auf Kurs Playoffs, und das auch noch, weil das Torwartduo Darcy Kuemper und Antti Raanta zuverlässig hält. Beide kamen ein Jahr nach dem Amtsantritt von Chayka zu den Arizona Coyotes.

Die Boston Bruins waren einen Sieg vom Stanley Cup entfernt. In der Salary Cap Ära brechen auch Finalteilnehmer im Folgejahr oft ein, weil die Spieler mehr Geld verdienen, und die Mannschaft damit auseinandergerissen wird. Don Sweeney gelingt es aber seit Jahren, die Verträge der Spieler in Boston sehr ausgeglichen zu gestalten. Kein Akteur verdient mehr als 7,25 Millionen, dafür liegen acht Akteure über 4,9 Millionen pro Jahr. Sweeney gibt den Bruins jede Saison eine Chance auf den Titel und könnte damit seinen als GM des Jahres verteidigen.

Bereits 2012 gewann Doug Armstrong den Award als bester General Manager der NHL. Nach dem Gewinn des ersten Stanley Cups 2019 gelang es Armstrong neue Verträge für Jordan Binnington und Meistermacher Craig Berube abzuschließen. Mit O’Reilly, Ryan holte Armstrong vorletzte Offseason den MVP der Playoffs per Trade, und mit Justin Faulk (inklusive Vertragsverlängerung) sicherte der GM den möglichen Abgang von Kapitän Alex Pietrangelo ab.

Meine Nominierung: Don Sweeney

Wie bereits erwähnt schafft es Sweeney scheinbar, dass die Spieler für ein gemeinsames Ziel in Boston bereit sind, weniger Geld als auf dem freien Markt zu verdienen.

Comeback Player of the year

Über den Award hatten Tom und Christoph nur geredet. Ich verleihe ihn direkt auch noch.

James Neal hat bereits jetzt seine Torausbeute aus 2018/19 von sieben (!!!) Treffern fast verdreifacht. Hochgerechnet könnte Neal mit ungefähr 30 Toren seine zweitbeste Saison nach 2011/12 spielen.

Als P.K. Subban für Shae Webber nach Nashville getauscht wurde, sahen viele die Canadians als Verlierer dieses Deals an. Momentan ist das Urteil für diesen Trade wieder offener, weil Subban extreme Probleme hat, und Webber nach zwei verletzungsgeplagten Jahren wieder richtig gut in Form ist. Der 34-jährige könnte in seiner fünfzehnten Saison erstmals mehr als 60 Punkte erreichen.

Können wir Patrik Laine nach nur vier Jahren bereits ein Comeback gönnen? 64 und 70 Punkte erzielte der Finne in seinen beiden ersten Spielzeiten für Winnipeg. 2018/19 gab es die erste Krise mit nur 50 Punkten (31 in 70 ohne den Lauf im November). Heuer hat Laine sein Spiel umgestellt, setzt andere besser ein, und liegt auf Kurs 78 Zähler.

48 Punkte im Vorjahr waren der schlechteste Wert für Ryan Getzlaf seit seiner Rookiesaison. Im schwachen Team der Ducks ist der 34 jährige einer der wenigen Lichtblicke. Der Kapitän könnte die 60 Punkte-Marke knacken, und 20 Treffer wären die größte Anzahl seit 2015.

Meine Nominierung James Neal